• Kein Abschied - nur eine Umleitung.

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    Viele Leser haben meinem Blog die Treue gehalten, obwohl ich nun schon so lange nichts mehr veröffentlicht habe. Ich habe mich an der Anzahl meiner Blogs und Websites wohl überhoben und komme nun einfach nicht mehr hinterher! Natürlich habe ich die meisten Texte meist mehrfach gepostet, aber selbst das kostet viel Zeit, weil die Technik, wie Ihr alle wisst, hinterhältig ist.

    Ja, es läuft darauf hinaus, dass ich mein Blogger-Blog aufgeben werde. Aber ich schreibe natürlich weiter, nach wie vor. Wer es wirklich lesen will, der braucht nur einen klitzekleinen Umweg zu nehmen und auf mein Hauptblog bei WordPress zu klicken: Jochen Ebmeier's Weblog.

    Und wer gern wissen will, weche Seiten ich sonst noch betreibe, der mag bitte auf diesen Link klicken: http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/12/about-jochen-ebmeier/

    Auf ein baldiges Wiedersehen auf meinen übrigen Blogs verabschiedet sich vorläufig

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    Jochen Ebmeier

  • Reflexion...

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    ...ist nachDenken.

    Denken ist ent(=aus ew. heraus)Werfen.

  • Warum ich nun auch noch Pirat geworden bin.

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    Die Spatzen brüllen es vom Dach: „Wir leben in einer Zeit gewaltiger zivilisatorischer Umbrüche.“ Es ist der Übergang aus der zehntausend- jährigen ‚Arbeitsgesellschaft’ in die… Informationsgesellschaft, die Wissensgesellschaft, in die mediale oder in die digitale Zivilisation – wie immer sie das Ding nennen mögen.

    Aber weiter als bis zu den Feuilletonredakteuren und den Ghostwritern der Sonntagsreden ist die Einsicht trotzdem nicht gedrungen. „Zurück zur Vollbeschäftigung“ verspricht im Ernst – oder nicht? – ein Kanzler- kandidat. Aber die wird es nie wieder geben. Ein Unglück? Im Gegenteil. Ein uralter Menschheitstraum scheint Wahrheit zu werden: Leben, ohne arbeiten zu müssen – weil die Arbeit von den Maschinen selbst besorgt wird.

    „Im Schweiße deines Angesichts sollst du…“ – das war keine Verheißung Jehovas, sondern sein Fluch. Und nun stehen wir endlich dicht vor dem Punkt, wo wir uns den Sinn unseres Lebens woanders suchen können als in der Arbeit.

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    Zukunftsgeklingel? Die Politik macht jedenfalls weiter wie gehabt.

    Aber einen Namen hat das Ding schon: WorldWideWeb. Noch kein Vierteljahrhundert alt, hat es längst die große Industrie erfasst und beginnt – nicht nur in den hoch industrialisierten, sondern auch in einigen bislang ‚unterentwickelten’ Ländern -, die Gepflogenheiten des täglichen Lebens umzuwälzen.

    Ich mache es kurz.

    Jede Initiative, jede Bewegung, die dazu beiträgt, die gesellschaftlichen und kulturellen Umstürze in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerk- samkeit zu rücken, die die Netzivilisation uns bescheren wird, ist mehr wert als alle Fraktionen des gegenwärtigen Bundestages zusam- mengenommen. Am Urheberrecht wird die Frage des künftigen ‚Werts der Arbeit’ in besonders schillernder Weise sichtbar. Es ist aber nur eine Facette. Dieser oder jener konkrete Lösungsvorschlag mag noch unaus- gegoren, einige mögen gar falsch sein; und alles zusammengenommen ergeben immer noch kein „richtiges Programm“. Aber bevor wir die richtigen Lösungen finden, ist es nötig, dass einer die richtigen Fragen stellt.

    Darum bin ich jetzt auch noch Pirat geworden.

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    aus: Gruppe ‘Piratenpartei’ bei Xing

  • Anschauung, Vorstellung, Begriff

     

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    Mit Vorstellung meine ich die Re-Präsentation eines zuvor schon angeschauten Bildes; wobei es unerheblich ist, ob das Bild ‘wahr-genommen’ oder ‘ein-gebildet’ worden ist. Entscheidend ist die Anschaulichkeit.

    Das Re-Präsentieren geschieht, indem das Bild mit einem Symbol ausgezeichnet und in einem Speicher abgelegt werden. Dort werden sie durch das Aufrufen des Zeichens ‚vergegenwärtigt’.

    Vorstellungen, die durch ein Symbol bezeichnet sind, lassen sich ipso facto zu einem System fügen; und werden zu Begriffen.

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  • Ich weiß nur…

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    …das, was ich einem Andern zwingend beweisen kann. Alles andere nehme ich nur an, wenn auch vielleicht mit größt möglicher Gewissheit.

    Die Annahme einer Intelligenz außer mir ist nicht erst eine empirische, sondern schon eine logische Voraussetzung der Vernunft.

    PythagorasTree

  • Michael Jackson’s Oxford Lecture über Kindheit und Vaterschaft – deutsche Fassung.

     

    Das bedeutendste Selbstzeugnis von Michael Jackson ist ohne Zweifel die Vorlesung, die er unter dem Titel How to forgive your father am 6. März 2001 vor der Oxford Union an der dortigen Universität gehalten hat. Sie ist nicht weniger als die Erklärung, die Rechtfertigung seines Leben und seiner Kunst. Ich kann mir keine künftige Biographie des größten Stars aller Zeiten vorstellen, die auf die ungekürzte Wiedergabe dieses Textes verzichten würde.

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    Danke. Vielen Dank aus tiefstem Herzen, liebe Freunde,  für den herzlichen Empfang! Und vielen Dank an Sie, Mr. President, für Ihre feundliche Einladung. Ich fühle mich hoch geehrt.

    Und meinen ganz besonderen Dank möchte ich an Shmuley* richten, der
    schon seit 11 Jahren hier in Oxford als Rabbiner seinen Dienst tut.

    Du und ich, wir haben so hart gearbeitet, um Heal the Kids zum Leben zu erwecken und auch daran, unser Buch über die Qualität des Kindlichen zu schreiben — und in all unseren Bemühungen warst du auch solch ein hilfreicher und liebevoller Freund. Und ich möchte mich auch bei Toba Friedman bedanken, unserer organisatorischen Direktorin bei Heal the Kids, die als Marshall-Stipeniatin heute Abend wieder an die Universität zurückkehrt, und an Marilyn Piels, ein weiteres wichtiges Mitglied des Heal the Kids-Teams.

    Ich erfüllt mich mit Demut, dort zu reden, wo schon so bedeutende Menschen wie Mutter Theresa, Albert Einstein, Ronald Reagan, Robert Kennedy und Malcom X gestanden haben.

    Ich habe gehört, dass sogar Kermit der Frosch hier war, dem ich immer so gut nachfühlen konnte, dass es nicht leicht ist, grün zu sein. Und sicher ist es ihm auch nicht leichter gefallen als mir, vor Ihnen hier oben zu stehen!

    Als ich mich heute hier in Oxford umgesehen habe, wurde mir die Größe und Majestät Ihrer großartigen Institution bewusst, nicht zu reden von den hervorragenden und begnadeten Geistern, die seit Jahrhunderten durch diese Straßen wandeln. Oxfords Gemäuer haben nicht nur den größten Philosophen und wissenschaftlichen Genies beheimatet, sie haben auch einige der  meistgepriesenen Kinderbuchautoren hervorgebracht,  von J. R. R. Tolkien bis zu C. S. Lewis.

    Heute hatte ich Gelegenheit, in den Speisesaal der Christ Church zu humpeln, wo Lewis Carrols Alice im Wunderland in den Farbglas-Fenstern verewigt ist. Und sogar einer meiner amerikanischen Gefährten, der geliebte Dr. Seuss,** hat diese Hallen beehrt und hat dann seine Spuren in den Vorstellungen von Millionen von Kindern überall auf der Welt hinterlassen.

    Alice in der Christ Church, Oxford (links oben)

    Ich sollte wohl zunächst einmal aufzählen, was mich dazu qualifiziert, heute Abend vor Ihnen zu sprechen.

    Liebe Freunde, ich gebe nicht vor, über denselben akademischen Sachverstand zu verfügen, wie die Redner vor mir, ebensowenig wie sie behauptet hätten, moonwalken zu können — und ich kann Ihnen sagen, gerade Einstein war darin ganz schaudehaft!

    Aber ich darf beanspruchen, mehr Orte und Kulturen dieser Welt kennen gelernt zu haben, als die meisten anderen Menschen jemals werden. Das Wissen der Menschheit besteht nicht nur aus Bibliotheken voller Pergament und Tinte, es umfaßt auch all die Bände, die in die Herzen der Menschen geschrieben stehen, ziseliert in die menschliche Seele und eingraviert in die menschliche Psyche.

    Und Freunde, mir ist meinem ziemlich kurzen Leben schon so viel begegnet, dass ich immer noch nicht recht glauben kann, dass ich erst 42 Jahre alt bin! Ich sage so oft zu Shmuley, dass ich nach Seelen-Jahren sicher mindestens 80 bin — und heute Abend laufe ich sogar so …

    Und so hören Sie bitte meine Botschaft, denn was ich Ihnen heute Abend sagen möchte, kann der Menschheit Genesung bringen und unserem ganzen Planeten.

    Durch Gottes Gunst hatt ich das Glück, dass viele meiner künstlerischen und professionellen Bestrebungen schon in meinen frühen Lebensjahren in Erfüllung gegangen sind. Aber das sind Leistungen, und Leistungen allein machen nicht den aus, der ich bin.  Dem strahlenden Fünfjährigen, der vor begeisterter Mengen Rockin‘ Robin und Ben sang, war der Junge, der hinter dem Lächeln, nicht anzumerken.

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    Und heute trete ich weniger als eine Pop-Ikone vor Sie hin - was auch immer das heißt – , denn als die Ikone einer Generation; einer Generation, die nicht mehr weiß, was es bedeutet, Kind zu sein. Wir alle sind das Produkt unserer Kindheit. Aber ich bin das Produkt eines Mangels an Kindheit, des Fehlens jenes kostbaren und wundervollen Alters, in dem man übermütig verspielt und sorglos in der Welt herumtobt, sich in der Bewunderung von Eltern und Verwandten sonnt, und in der die größte Mühsal vielleicht die ist, für das Diktat am Montag Morgen zu üben.

    Wer von Ihnen die Jackson Five gekannt hat, weiß, dass ich seit dem zarten Alter von fünf Jahren vor Leuten auftrete und seither immer weiter tue – ich habe niemals mit Singen und Tanzen aufgehört. Doch wenn auch das Auftreten und Musikmachen bis heute zu meinen größten Freuden gehört, habe ich mir als Kind nichts sehnlicher gewünscht, als ein normaler kleiner Junge zu sein.

    Ich wollte Baumhäuser bauen, Wasserballon-Schlachten machen und mit meinen Freunden Fangen spielen.

    Aber das Schicksal wollte es anders, und mir blieb nichts übrig, als von dem Lachen und den Spielen zu träumen, die überall um mich herum waren. In meinem Berufsleben gab es keine Pausen.

    Nur sonntags, da ging ich pioneering – so nennen die Zeugen Jehovahs ihre Missionarsarbeit. Und da konnte ich dann den Zauber der Kindheit bein andern Leute erleben. Weil ich damals schon berühmt war, musste ich mich verkleiden. Ich stopfte mir Kissen unter die Kleider, trug Perücke, Bart und Brille, und wir trieben uns den Tag über in den Vororten im südlichen Kalifornien herum, gingen von Tür zu Tür oder machten die Runde durch Einkaufszentren, um den Wachturm zu verteilen.

    Ach, ich liebte es, in die normalen Haushalte zu gehen, die zerschlissenen Läufer auf dem Boden zu sehen, die Lehnstühle, in denen Kinder Monopoly spielten, Großmütter Babies hüteten, und all diese wunderbaren, ganz gewöhnlichen, aber für mich richtig romantischen Szenen des Alltagslebens.  Die meisten werden sagen, das wäre nichts Besonderes. Aber für mich waren sie magnetisch. Ich dachte immer, dass ich der einzige bin, der sich fühlt, als hätte er keine Kindheit gehabt. Ich dachte, es gäbe nur eine handvoll Leute, mit denen ich diese Gefühle teilen kann.

    Als ich kürzlich Shirley Temple Black traf, den großen Kinderstar der 30er und 40er Jahre, sprachen wir zunächst gar nicht miteinander. Wir haben einfach miteinander geweint, weil sie einen Schmerz mit mir teilen konnte, den sonst nur enge Freunde von mir wie Elizabeth Taylor und McCauley Culkin kennen.

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    Ich erzähle Ihnen das nicht, um Ihr Mitleid zu finden, sondern um auf meinen ersten wichtigen Punkt zu kommen: Es sind nicht nur Hollywood-Kinderstars, die unter einer fehlenden Kindheit leiden. Vielmehr ist das heutzutage ein universelles Unglück, eine weltweite Katastrophe. Die Kindheit ist zum großen Kollateralschaden des modernen Lebens geworden.

    Überall um uns herum erschaffen wir schockweise Kinder, die nicht die Freude hatten, denen es nicht zugebilligt wurde und denen nicht die Freiheit gelassen wurde, zu erfahren, wie es ist, Kind zu sein. Heute werden Kinder stets gedrängt, nur immer schneller heranzuwachsen, so als ob dieses Lebensalter eine Last wäre, die man so schnell wie möglich hinter sich lassen sollte. Und in dem Punkt bin ich sicher einer der Welt größten Experten.

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    Diese Generation erlebt die Auflösung des Eltern-Kinder-Pakts. Psychologen veröffentlichen ganze Regale von Büchern über die verheerenden Folgen, wenn Kindern jene bedingungslose Liebe vorenthalten wird, die für die gesunde Entwicklung ihres Geistes und ihrtes so nötig ist. Und weil sie vernachlässigt wurden, müssen sich heute zu viele Kinder selber großziehen. Und entfernen sich so immer weiter von ihren Eltern, Großeltern und den anderen Angehörigen; so wie sich überall um uns herum die festen Bande lösen, die einst die Generationen bei einander hielten.

    Dieser Bruch hat eine neue Generation gezeugt – nennen wir sie die Generation 0 -, die jetzt die Fackel der Generation X übernimmt. Die 0 steht für eine Generation, die äußerlich alles hat, Reichtum, Erfolg, ausgefallene Kleidung und tolle Autos, aber eine gähnende Leere in ihren Herzen. Dieser Hohlraum in unsere Brust, diese Leere in unserem Innern, diese Lücke in unserer Mitte ist der Ort, wo einst das Herz einst geschlagen hat und wo die Liebe saß.

    Und es sind nicht nur die Kinder, die leiden. Den Eltern geht es ja ebenso. Je mehr wir in Kinderkörpern kleine Erwachsene modellieren, umso weiter entfernen wir uns von unseren eigenen kindlichen Tugenden. Und es gibt in der Kindheit so vieles, das verdiente, in der Erwachsenheit bewahrt zu bleiben!

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    Die Liebe, meine Damen und Herren, ist das kostbarste Erbe der menschlichen Familie, das reichste Vermächtnis, eine goldene Hinterlassenschaft. Und es ist ein Schatz, der von einer Generation an dei andere weitergereicht wird. Frühere Zeiten Ältere mögen all die Reichtümer, die wir genießen, nicht gekannt haben. In ihren Häusern gab es keinen elektrischen Strom, und sie zwängten ihre große Kinderschar in kleine Häuser ohne Zentralheizung. Und doch gab es ihren Häusern gab es keine Dunkelheit, und es war dort nicht kalt. Sie waren hell erleuchtet vom Schein der Liebe und mollig beheizt von der Wärme menschlichern Herzen. Eltern, die von Gier nach Reichtum und Status unbeirrt waren, gaben ihren Kindern den Vorrang in ihrem Leben.

    Wie Sie alle wissen, haben sich unsere beiden Länder getrennt wegen jener “gewissen unveräußerlichen Rechte”, wie Thomas Jefferson sie nannte. Und während Amerikaner und Briten sich noch immer darüber streiten mögen, kam doch niemals zur Sprache, dass auch Kinder bestimmte unveräußerliche Rechte haben. Und die allmähloiche Auflösung dieser Rechte hat dahin geführt, dass heute Kindern massenhaft die Freuden und der Schutz der Kindheit verwehrt bleiben.

    Ich möchte heute vorschlagen, dass wir in jedem Haus eine Lister der universellen Kinderrechte aufhängen:

    1) Das Recht geliebt zu werden, ohne es sich erwerben zu müssen.

    2) Das Recht beschützt zu werden, ohne es verdient zu haben.

    3) Das Recht, sich wertvoll zu fühlen, auch wenn man mit nichts auf die Welt gekommen ist.

    4) Das Recht, gehört werden, ohne interessant sein zu müssen.

    5) Das Recht, eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen zu bekommen, ohne mit den Abendnachrichten konkurrieren zu müssen, oder mit dem Nachtleben.

    6) Das Recht einer Erziehung und Unterricht, ohne sich in der Schule vor Schüssen ducken zu müssen.

    7) Das Recht, bewundert zu werden — auch wenn man ein Gesicht hat, das nur eine Mutter lieben kann.

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    Liebe Freunde, die Grundlage allen menschlichen Wissens, der Beginn allen menschlichen Bewusstseins muss sein, dass jeder, jeder einzelne von uns Gegenstand der Liebe ist. Noch ehe man weiß, ob man rotes oder braunes Haar hat, bevor man weiß, ob einer schwarz ist oder weiß, bevor man weiß, was sein Glaube ist, schon vor all dem muss man wissen, dass man geliebt wird.

    Vor etwa zwölf Jahren, als ich gerade meine Bad-Tour begann, kam ein kleiner Junge mit seinen Eltern zu mir zu Besuch nach Kalifornien. Er war an an Krebs erkrankt, und er sagte mir, wie sehr er meine Musik und mich liebte. Sein Eltern erzählten mir, dass er nicht mehr viel Zeit hatte und jeden Tag sterben könnte. Da sagte ich zu ihm: „Schau, ich werde in deiner Heimatstadt Kansas meine Tour zu eröffnen – in drei Monaten. Ich will, dass du zu der Show kommst! Ich werden dir diese Jacke von mir schenken, die ich in einem meiner Videos getragen habe.“ Seine Augen leuchteten und er fragte: „Was, du schenkst sie mir?!“ Ich sagte: „Ja, aber du musst mir versprechen, dass du sie während der Show tragen wirst.“ Ich wollte, dass er durchhält. Ich sagte: „Wenn du zu meiner Show kommst, will ich dich in dieser Jacke und mit diesem Handschuh sehen“, und ich gab ihm einen meiner mit Bergkristallen besetzten Handschuhe – die gebe ich sonst niemals weg.

    Und er war wie im Himmel. Aber vielleicht war er dem Himmel wirklich schon zu nahe, denn als ich in seine Stadt kam, war er schon gestorben, und sie hatten ihn in der Jacke und dem Handschuh begraben. Er war erst zehn Jahre alt gewesen.

    Gott weiß und ich weiß, dass er sein Bestes gab, um durchzuhalten. Aber wenigstens wusste er, als er starb, dass er geliebt war und zwar nicht nur von seinen Eltern, sondern auch ich, ein entfernter Bekannter – ich liebte ihn auch. Und mit all dieser Liebe wusste er, dass er nicht alleine in diese Welt gekommen war, und er hat sie gweiß auch nicht allein verlassen.

    Wenn man diese Welt betritt in dem Wissen, geliebt zu sein, und sie in diesem Wissen auch wieder verläßt, dann kann man auch mit allem fertigwerden, was dazwischen liegt. Ein Professor mag Sie demütigen, aber Sie werden sich nicht gedemütigt fühlen, Ihr Chef mag Sie fertigmachen, aber es wird ihm nicht gelingen, ein Konzernherr mag Sie überwältigen, und doch werden Sie triumphieren. Wie könnte einer von denen Sie wirklich unterkriegen? Wo Sie doch wissen, dass Sie jemand sind, der es wert ist, geliebt zu werden. Der Rest ist nur Verpackung.

    Doch wenn man dieses Wissen, geliebt zu werden, nicht hat, ist man verdammt, in der Welt nach etwas zu suchen, um sich selbst damit aus- und aufzufüllen. Doch es ist egal, wieviel Geld man macht oder wie berühmt man wird, man wird sich stets leer fühlen. Das, wonach man eigentlich sucht, ist diese unbedingte Liebe, ist: akzeptiert werden ohne Voraussetzung. Eben das, was einem bei seiner Geburt vorenthalten wurde.

    Lassen Sie mich ein Bild für Sie zeichnen. Es ist ein typischer Tag in Amerika: sechs junge Menschen unter 20 werden Selbstmord begehen, 12 Kinder werden durch Schusswaffen sterben – und bitte denken Sie: das ist ein Tag, kein Jahr!

    Dreihundertundneunundneuzig Kinder werden wegen Drogenmissbrauchs verhaftet werden, 1.352 Babys werden von minderjährigen Müttern geboren werden.

    Das geschieht in einem der reichsten und weitest entwickelten Ländern in der Geschichte der Welt! Ja, in meinem Land gibt es eine Welle der Gewalt, die in keiner anderen Industrienation ihresgleichen hat. Das ist die Art und Weise, wie junge Menschen in Amerika ihre seelischen Verletzungen und ihre Wut ausdrücken.

    Aber glauben Sie nicht, dass es das nicht auch in England gibt. Studien in diesem Land zeigen, dass sich in jeder Stunde drei Teenager im Vereinigten Königreich selbst Schaden zufügen, oft schneiden sie sich oder verbrennen sich oder nehmen Überdosen von Drogen. Das ist der Weg, den sie sich ausgesucht haben, um mit dem Schmerz der Vernachlässigung und der emotionalen Qual zurechtzukommen. In Großbritannien werden  20 % aller Familien nur ein einziges Mal im Jahr gemeinsam zu Abend essen – einmal im Jahr!

    Und was ist mit der schönen Tradition, Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorzulesen? Untersuchungen aus den 80ern zeigen, dass Kinder, denen vorgelesen wird, eine viel größere Belesenheit hatten und ein ihre Mitschüler deutlich übertrafen.

    Und dennoch wird gerade mal 33 % der britischen Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren regelmäßig eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Das wird Ihnen nicht viel sagen – bis Sie hören, dass noch 75 % ihrer Eltern Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen bekommen haben, als sie in diesem Alter waren!

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    Da müssen wir uns nicht lange fragen, wo all dieser Schmerz, der Zorn und die Gewalt herkommen. Es erklärt sich von selbst, dass Kinder sich gegen diese Vernachlässigung aufbäumen, dass sie sich gegen diese Gleichgültigkeit auflehnen und dass sie laut aufschreien, um endlich beachtet zu werden. Die verschiedenen Kinderschutzorganisationen in den Staaten sagen, dass im Jahr durchschnittlich Millionen von Kindern Opfer von Vernachlässigung werden.

    Ja, Vernachlässigung. In reichen, privilegierten Heimen, die bis unters Dach mit irgendwelchem technischen Krimskrams angefüllt sind; Heimen, in denen die Eltern zwar nach Hause kommen, aber niemals richtig da sind, weil ihre Gedanken noch immer in ihren Büros hängen. Und ihre Kinder? Nun, die behelfen sich mit jedem Krümel Emotion, den sie kriegen. Aber viel kriegen sie bei endlosem Fernsehen, Computerspiel und Videos eben nicht.

    Diese harten, kalten Zahlen, die, wie ich finde, einem regelrecht das Herz zerreißen und das Gemüt erschüttern, sollten Ihnen zeigen, warum ich so viel meiner Zeit und Mittel darauf verwendet habe, unsere neue Initiative Heal the Kids zu einem großen Erfolg zu machen. Unser Ziel ist einfach: die Eltern-Kind-Bande wieder neu zu knüpfen, ihre Versprechen  zu erneuern und den Weg zu ebnen für all die wunderbaren Kinder, die dazu bestimmt sind, eines Tages die Leitung dieser Erde zu übernehmen.

    Aber weil dies meine erste öffentliche Rede ist und Sie mich so warm und herzlich willkommen geheißen haben, denke ich, dass ich Ihnen noch mehr erzählen möchte. Wir haben unsere eigene Geschichte und so können Statistiken persönlich und lebendig werden.

    Man sagt, dass Elternschaft so ähnlich ist wie Tanzen. Man macht einen Schritt, das Kind macht einen anderen.

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    Ich habe herausgefunden, dass es nur die halbe Wahrheit ist, die Eltern dazu zu bringen, sich wieder ganz selbst ihren Kindern zu widmen. Die andere Hälfte ist, die Kinder wieder dazu zu bringen, ihre Eltern zu akzeptieren.

    Ich erinnere mich, dass wir, als ich noch sehr jung war, diesen verrückten Hund Back Girl hatten, der eine Mischung aus Wolf und Retriever war. Sie war nicht nur ein miserabler Wachhund, sondern auch so ein verschrecktes und nervöses Ding, dass es ein Wunder war, wenn sie nicht schon in Ohnmacht gefallen ist, wenn nur ein Truck vorüber gerumpelt oder ein Gewitter über Indiana niedergegangen ist. Meine Schwester Janet und ich gaben dem Hund so viel Liebe, aber wir konnten das Vertrauen, das ihm von seinem vorigen Besitzer geraubt wurde, nie wiedergewinnen. Wir wussten, dass er sie geschlagen hatte. Wir wussten nicht, womit. Aber was es auch war, es war genug, um aus diesem Hund jeden Lebensgeist auszutreiben.

    Heute sind viele Kinder wie verletzte Welpen, die sich sogar das Bedürfnis nach Liebe abgewöhnt haben. Da können sie sich dann auch nicht um ihre Eltern sorgen. Sich selbst überlassen, schätzen sie ihre Unabhängigkeit über alles. Sie sind vorangekommen und lassen ihre Eltern zurück.

    Dann gibt es die weit schlimmeren Fälle jener Kindern, die ihren Eltern feindselig und voller Vorwürfe gegenüberstehen und jeden Versöhnungsversuch harsch zurückweisen. Heute Abend möchte ich, dass keiner von uns diesen Fehler macht. Und deswegen appelliere ich an alle Kinder der Welt – beginnend mit uns, die wir heute hier sind -, unseren Eltern zu vergeben, wenn wir uns vernachlässigt fühlten. Vergebt ihnen und lehrt sie, wieder lieben zu können.

    Es wird Ihnen kaum neu sein, dass ich keine idyllische Kindheit hatte. Der Druck und die Spannung, die auf meinem Verhältnis zu meinem eigenen Vater lasteten, sind viel beschrieben worden. Mein Vater ist ein strenger Mann, der mich und meine Brüder stets hart angepackt hat — schon vom frühsten Alter an —, um aus uns die besten Künstler zu machen, die wir werden konnten. Es fiel ihm schwer, Gefühle zu zeigen. Er hat mir nie gesagt, dass er mich liebt. Und er hat mich auch nie gelobt. Wenn ich eine sehr gute Show geliefert hatte, sagte er, dass es eine gute Show war, und wenn die Show okay war, sagte er: eine lausige Show, oder… nichts.

    Mehr als alles andere schien ihn zu interessieren zu sein, uns zu einem Geschäftserfolg zu machen. Und darin war er mehr als ein Experte. Mein Vater war ein Manager-Genie, und meine Brüder und ich schulden unseren professionellen Erfolg nicht in geringem Maße dem steinigen Weg, auf den er uns schickte. Er trainierte mich zu einem Showman, und unter seiner Führung konnte ich keinen Schritt falsch machen.

    Doch was ich wirklich wollte, war ein Dad. Ich wollte einen Vater, der mir seine Liebe zeigte. Und mein Vater konnte das nie. Er sagte mir nie ins Gesicht, dass er mich liebt, während er mir in die Augen sah, er hat nie mit mir gespielt. Nie nahm er mich huckepack, er warf nie Kissen oder einen Wasserballon nach mir.

    Aber ich erinnere mich – ich war gerade etwa vier Jahre alt, da war diese kleine Kirmes bei uns, und er hob mich hoch und setzte mich auf ein Pony. Es war nur eine ganz kleine Geste, wahrscheinlich hat er es fünf Minuten danach schon wieder vergessen. Aber wegen dieses Moments habe ich diesen besonderen Platz für ihn im Herzen. So sind Kinder, die kleinen Dinge bedeuten ihnen so viel, und für mich bedeutete dieser Moment alles. Ich habe das nur ein einziges Mal erlebt, aber da fühlte ich mich wohl – bei ihm und auf der Welt.

    Und nun bin ich selber Vater, und einmal habe ich mir überlegt, was wohl meine eigenen Kinder, Prince und Paris, eines Tages über mich denken werden. Natürlich sollen sie sich daran erinnern, dass ich sie immer bei mir haben wollte, wo auch immer ich hinging, und dass sie für mich immer an erster Stelle standen. Aber es gibt auch Herausforderungen in ihrem Leben. Weil meine Kinder immer von Paparazzi verfolgt werden, können sie nie mit mir in einen Park oder ins Kino gehen. Was, wenn sie mir vorwerfen, wenn sie älter sind, dass meine Lebensentscheidungen so sehr ihre Jugend belastetet haben? Warum hatten wir keine normale Kindheit wie alle anderen Kids, mögen sie fragen.

    Blanket l., MJ r.

    Und in diesem Moment bete ich, dass auch meine Kinder mich im Zweifelsfall freisprechen. Dass sie sich sagen werden: „Unser Daddy hat unter den einzigartigen Umständen, in denen er lebte, das Beste gegeben, was er konnte. Vielleicht war er nicht perfekt, aber er war ein warmherziger und anständiger Mann, der versucht hat, uns alle Liebe der Welt zu geben.“

    Ich hoffe, sie werden sich immer die positiven Dinge voranstellen, auf die Opfer, die ich ihnen bereitwillig gebracht habe, und nicht kritisieren, dass sie vieles entbehren mussten,  oder die Fehler, die ich gemacht habe und sicherlich noch machen werde, während ich sie großziehe. Denn wir waren alle jemandes Kind und wissen, dass bei den besten Absichten und Anstrengungen immer Fehler vorkommen. So sind wir Menschen.

    Und wenn ich daran denke, wie viel mir daran liegt, dass meine Kinder nicht unfreundlich über mich urteilen und mir meine Unvollkommenheiten nachsehen, muss ich an meinen eigenen Vater denken. Und obwohl so sehr ich es früher leugnete, muss ich jetzt doch zugeben, dass er mich wohl geliebt haben muss. Er liebte mich, und ich weiß das. Kleine Dinge zeigen es mir. Als ich Kind war, war ich ein wirkliches Schleckermaul – das waren wir alle. Am liebsten mochte ich glasierte Donuts, und das wusste mein Vater. Also alle paar Wochen stand, wenn ich morgens runter in die Küche kam, lag auf dem Küchenschrank eine Tüte mit glasierten Donuts – kein Zettel, keine Erklärung, nur die Donuts. Es war, als wäre der Weihnachtsmann dagewesen. Manchmal dachte ich daran, bis spät in die Nacht aufzubleiben, um ihn dabei zu ertappen, wie er sie dort hinlegte. Aber wie beim Weihnachtsmann wollte ich nicht den Zauber zerstören — aus Angst, dass er es nie wieder tut. Mein Vater musste sie heimlich nachts dort hinlegen, damit ihn niemand dabei sah. Er hatte Angst vor menschlichen Gefühlen, er verstand sie nicht oder wusste nicht, was er damit machen sollte. Aber er wusste, was Donuts sind.

    Und wenn ich die Schleusen öffne, dann kommen mir auch noch andere Erinnerungen, kleine Gesten, die mir, wenn auch noch so unvollkommen, doch zeigten, dass er tat, was er konnte. Also will ich mich heute Abend nicht daran erinnern, was mein Vater nicht getan hat, sondern eher an das, was er getan hat und welchen Herausforderungen er sich stellen musste.

    Ich will aufhören, ihn zu verurteilen. Ich habe begonnen, daran zu denken, dass mein Vater in den amerikanischen Südstaaten aufgewachsen ist, in einer sehr armen Familie. Er wuchs heran während der Großen Depression, und sein eigener Vater, der auch kämpfen musste, um seine Kinder zu ernähren, zeigte seiner Familie kaum Liebe und erzog meinen Vater und seine Geschwister mit eiserner Faust. Wer kann sich noch vorstellen, wie es war, als armer Schwarzer im Süden heranzuwachsen, aller Würde beraubt, von aller Hoffnung abgeschnitten und darum kämpfend, in einer Welt zu einem Mann zu werden, in der mein Vater als ein Zweitklassiger galt.

    Ich war der erste schwarze Künstler, der auf MTV gespielt wurde, und ich erinnere mich, was für eine große Sache das damals noch war. Und das waren schon die achtziger Jahre!

    Mein Vater zog dann nach Indiana und hatte selbst eine große Familie. Er arbeitete viele Stunden täglich im Stahlwerk, eine Arbeit, die die Lungen kaputt macht und den Geist bedrückt – und alles, um seine Familie über die Runden zu bringen. Ist etwas Befremdliches daran, dass es ihm schwerfiel, seine Gefühle zu preiszugeben? Ist es ein Wunder, dass er sein Herz verhärtet und sich hinter einem emotionalen Wall verschanzt hat? Und vor allem, ist es ein Wunder, dass er seine Söhne so hart angetrieben hat, als Künstler erfolgreich zu werden, damit ihnen ein Leben in Würdelosigkeit und Armut erspart blieb, wie er es gekannt hatte?

    U. S. Steel Corp., Gary, Indiana

    Ich habe zu verstehen begonnen, dass sogar meines Vaters Härte eine Art Liebe war, eine nicht perfekte Liebe, sicherlich, aber doch Liebe. Er hat mich so hart angepackt, weil er mich liebte. Weil er nicht wollte, dass je ein Mensch auf seine Nachfahren herabsah. Und jetzt, mit der Zeit, fühle ich mich eher gesegnet als verbittert. An die Stelle von Zorn ist Ablass getreten. Und an die Stelle von Vergeltung habe ich Versöhnung gesetzt. Und meine ursprüngliche Wut hat schließlich der Vergebung Platz gemacht.

    Vor fast zehn Jahren habe ich die Wohltätigkeitsorganisation Heal the World gegründet. Dieser Name war etwas, das ich einfach in mir gefühlt habe. Ich habe nicht geahnt, was mir Shmuley später erzählt hat, dass diese Worte aus den Prophezeiungen des Alten Testamentes stammen. Glaube ich denn wirklich, dass wir eine Welt heilen können, die von Krieg und Völkermord geschüttelt wird, noch heute? Und denke ich wirklich, dass wir unsere Kinder heilen können, dieselben Kinder, die voller Hass und mit der Waffe in der Hand in ihre Schulen eindringen können und ihre Klassenkameraden niederschießen, wie in Columbine? Oder dieselben Kinder, die ein wehrloses Kleinkind erschlagen können wie in dem tragischen Fall von Jamie Bulger?

    Sicher glaube ich das, sonst wäre ich heute nicht hier. Aber das alles beginnt mit der Vergebung, denn um die Welt zu heilen, müssen wir zuerst uns selber heilen. Und um unsere Kinder zu heilen, müssen wir zuerst das Kind heilen, das in einem Jedem von uns steckt, in jedem einzelnen. Als Erwachsener und als Vater stelle ich fest, dass ich weder ganzer Mensch sein kann, noch ein Vater, der zu bedingungsloser Liebe fähg ist, ehe ich nicht die Gespenster meiner eigenen Kindheit zur Ruhe gebracht habe.

    Und das ist es, um was ich Sie alle heute bitte. Erfüllen Sie das fünfte der zehn Gebote. Ehrt Eure Eltern, indem Sie sie nicht verurteilt. Gewährt ihnen im Zweifelsfall Feispruch.

    Deswegen möchte ich auch meinem Vater verzeihen und aufhören, ihn zu verurteilen. Ich will meinem Vater vergeben, weil ich einen Vater haben will – und ich habe nur diesen. Ich will die Last meines vergangen Lebens von meinen Schultern schütteln, ich will frei sein, in ein neues Verhältnis zu meinem Vater zu treten, für den Rest meines Lebens, unbeirrt von den Dämonen der Vergangenheit.

    In einer Welt, die mit Hass angefüllt ist, müssen wir uns trauen, weiter zu hoffen. In einer Welt voller Wut müssen wir uns trauen, weiter zu trösten. In einer Welt voller Verzweiflung müssen wir uns trauen, weiter zu träumen. Und in einer Welt voller Misstrauen müssen wir uns weiterhin trauen zu glauben. An all diejenigen von Ihnen, die sich von Ihren Eltern im Stich gelassen fühlen – ich bitte Sie, lasst Eure Enttäuschung fallen. An all diejenigen von Ihnen, die sich von Vater oder Mutter hintergangen fühlen – ich bitte Sie, sich nicht länger selbst zu hintergehen. Und an all diejenigen von Ihnen, die gern ihre Eltern hinter sich lassen würden – ich bitte Sie, ihnen stattdessen die Hand zu reichen. Ich bitte Sie und ich bitte mich selbst, auch unseren Eltern das Geschenk der unbedingten Liebe entgegenzubringen, damit sie von uns, ihren Kindern, lernen mögen, wie man wirklich liebt.

    So wird in diese trostlose und verlassene Welt die Liebe zurückkehren. Shmuley erzählte mir einst von einer alten biblischen Prophezeiung, wonach eine neue Welt und eine neue Zeit anbricht, wenn „die Herzen der Eltern in den Herzen ihrer Kinder wiedergeboren werden“. Meine Freunde, wir sind diese Welt, wir sind diese Kinder.

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    Mahatma Gandhi sagte: „Die Schwachen können niemals vergeben. Vergebung ist ein Vorrecht der Starken.“ Seien Sie stark – hier und heute. Und darüber hinaus, dass Sie stark sind, nehmen Sie diese, die allergrößte Herausforderung an: den gebrochenen Pakt zu erneuern. Wir alle müssen über die Verkrüppelungen unserer Kindheiten hinwegkommen und, in Jesse Jacksons Worten, einander vergeben, uns versöhnen und vorwärts schreiten.

    Dieser Appell wird kaum dazu führen, dass rund um die Welt tausende von Kindern sich in Talkshows mit ihren Eltern aussöhnen, aber er kann immerhin ein Anfang sein, und er wird uns alle um so vieles fröhlicher stimmen. Und so, meine Damen und Herren, schließe ich meine Ausführungen heute Abend in Zutrauen, Freude und Erregung. Von diesem Tag an soll ein neues Lied ertklinge. Lasst dieses neue Lied den Klang des Lachens von Kindern sein. Lasst dieses neue Lied die Klänge vom Spiel der Kinder sein. Lasst dieses neue Lied den Klang von singenden Kindern sein. Und lasst dieses neue Lied den Klang von lauschenden Eltern sein.

    Lasst uns zusammen eine Symphonie der Herzen schaffen, staunend über das Wunder unserer Kinder und badend in der Schönheit der Liebe. Lasst uns die Welt heilen und ihren Schmerz zunichte machen. Mögen wir alle gemeinsam eine wunderbare Musik machen. Gott segne Sie, und ich liebe euch.

    Oxford university; from inside the Bodleian Library

    *) Rabbi Shmuel Bordeach

    **) Der amerikanische Kinderbuchautor Thoedor Geisel schrieb unter dem Pseudonym Dr. Seuss. Er hatte in Oxford Literatur studiert.

    ______________________________________________

    Übersetzung: mjfriendship.de [leicht überarbeitet]

    Quelle:

    http://www.youtube.com/watch?v=lFDkyglJYk4&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=T1ja98RyAl0&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=hCGiynoDDSY&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=rxpeRbojrYQ&feature=related

  • The Oxford lecture: Michael Jackson spricht über Kindheit heute.

    PEOPLE-JACKSON/

    How to Forgive Your Father

    by Michael Jackson

    [From a speech given at Oxford University, March 2001 by Michael Jackson. Thanks to Catherine Coy for sharing this remarkable speech.]

    Thank you, thank you dear friends, from the bottom of my heart, for such a loving and spirited welcome, and thank you, Mr President, for your kind invitation to me which I am so honoured to accept. I also want to express a special thanks to you Shmuley, who for 11 years served as Rabbi here at Oxford. You and I have been working so hard to form Heal the Kids, as well as writing our book about childlike qualities, and in all of our efforts you have been such a supportive and loving friend.

    And I would also like to thank Toba Friedman, our director of operations at Heal the Kids, who is returning tonight to the alma mater where she served as a Marshall scholar, as well as Marilyn Piels, another central member of our Heal the Kids team.

    I am humbled to be lecturing in a place that has previously been filled by such notable figures as Mother Theresa, Albert Einstein, Ronald Reagan, Robert Kennedy and Malcolm X. I’ve even heard that Kermit the Frog has made an appearance here, and I’ve always felt a kinship with Kermit’s message that it’s not easy being green. I’m sure he didn’t find it any easier being up here than I do!

    As I looked around Oxford today, I couldn’t help but be aware of the majesty and grandeur of this great institution, not to mention the brilliance of the great and gifted minds that have roamed these streets for centuries. The walls of Oxford have not only housed the greatest philosophical and scientific geniuses – they have also ushered forth some of the most cherished creators of children’s literature, from J.R.R. Tolkien to CS Lewis. Today I was allowed to hobble into the dining hall in Christ Church to see Lewis Carroll’s Alice in Wonderland immortalised in the stained glass windows. And even one of my own fellow Americans, the beloved Dr Seuss graced these halls and then went on to leave his mark on the imaginations of millions of children throughout the world.

    Alice in Christ Church (links oben)

    I suppose I should start by listing my qualifications to speak before you this evening. Friends, I do not claim to have the academic expertise of other speakers who have addressed this hall, just as they could lay little claim at being adept at the moonwalk – and you know, Einstein in particular was really terrible at that.

    But I do have a claim to having experienced more places and cultures than most people will ever see. Human knowledge consists not only of libraries of parchment and ink – it is also comprised of the volumes of knowledge that are written on the human heart, chiselled on the human soul, and engraved on the human psyche. And friends, I have encountered so much in this relatively short life of mine that I still cannot believe I am only 42. I often tell Shmuley that in soul years I’m sure that I’m at least 80 – and tonight I even walk like I’m 80!

    So please harken to my message, because what I have to tell you tonight can bring healing to humanity and healing to our planet. Through the grace of God, I have been fortunate to have achieved many of my artistic and professional aspirations realised early in my lifetime. But these, friends are accomplishments, and accomplishments alone are not synonymous with who I am. Indeed, the cheery five-year-old who belted out Rockin’ Robin and Ben to adoring crowds was not indicative of the boy behind the smile.

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    Tonight, I come before you less as an icon of pop (whatever that means anyway), and more as an icon of a generation, a generation that no longer knows what it means to be children. All of us are products of our childhood. But I am the product of a lack of a childhood, an absence of that precious and wondrous age when we frolic playfully without a care in the world, basking in the adoration of parents and relatives, where our biggest concern is studying for that big spelling test come Monday morning.

    Those of you who are familiar with the Jackson Five know that I began performing at the tender age of five and that ever since then, I haven’t stopped dancing or singing. But while performing and making music undoubtedly remain as some of my greatest joys, when I was young I wanted more than anything else to be a typical little boy. I wanted to build tree houses, have water balloon fights, and play hide and seek with my friends.

    But fate had it otherwise and all I could do was envy the laughter and playtime that seemed to be going on all around me. There was no respite from my professional life. But on Sundays I would go Pioneering, the term used for the missionary work that Jehovah’s Witnesses do. And it was then that I was able to see the magic of other people’s childhood.

    Since I was already a celebrity, I would have to don a disguise of fat suit, wig, beard and glasses and we would spend the day in the suburbs of Southern California, going door-to-door or making the rounds of shopping malls, distributing our Watchtower magazine. I loved to set foot in all those regular suburban houses and catch sight of the shag rugs and La-Z-Boy armchairs with kids playing Monopoly and grandmas baby-sitting and all those wonderful, ordinary and starry scenes of everyday life.

    Many, I know, would argue that these things seem like no big deal. But to me they were mesmerising. I used to think that I was unique in feeling that I was without a childhood. I believed that indeed there were only a handful with whom I could share those feelings. When I recently met with Shirley Temple Black, the great child star of the 1930s and 40s, we said nothing to each other at first, we simply cried together, for she could share a pain with me that only others like my close friends Elizabeth Taylor and McCauley Culkin know.

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    I do not tell you this to gain your sympathy but to impress upon you my first important point: It is not just Hollywood child stars that have suffered from a non-existent childhood. Today, it’s a universal calamity, a global catastrophe. Childhood has become the great casualty of modern-day living. All around us we are producing scores of kids who have not had the joy, who have not been accorded the right, who have not been allowed the freedom, or knowing what it’s like to be a kid.

    Today children are constantly encouraged to grow up faster, as if this period known as childhood is a burdensome stage, to be endured and ushered through, as swiftly as possible. And on that subject, I am certainly one of the world’s greatest experts.

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    Ours is a generation that has witnessed the abrogation of the parent-child covenant. Psychologists are publishing libraries of books detailing the destructive effects of denying one’s children the unconditional love that is so necessary to the healthy development of their minds and character.

    And because of all the neglect, too many of our kids have, essentially, to raise themselves. They are growing more distant from their parents, grandparents and other family members, as all around us the indestructible bond that once glued together the generations, unravels.

    This violation has bred a new generation, Generation O let us call it, that has now picked up the torch from Generation X. The O stands for a generation that has everything on the outside – wealth, success, fancy clothing and fancy cars, but an aching emptiness on the inside. That cavity in our chests, that barrenness at our core, that void in our centre is the place where the heart once beat and which love once occupied.

    And it’s not just the kids who are suffering. It’s the parents as well. For the more we cultivate little-adults in kids’-bodies, the more removed we ourselves become from our own child-like qualities, and there is so much about being a child that is worth retaining in adult life.

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    Love, ladies and gentlemen, is the human family’s most precious legacy, its richest bequest, its golden inheritance. And it is a treasure that is handed down from one generation to another.

    Previous ages may not have had the wealth we enjoy. Their houses may have lacked electricity, and they squeezed their many kids into small homes without central heating. But those homes had no darkness, nor were they cold. They were lit bright with the glow of love and they were warmed snugly by the very heat of the human heart. Parents, undistracted by the lust for luxury and status, accorded their children primacy in their lives.

    As you all know, our two countries broke from each other over what Thomas Jefferson referred to as “certain inalienable rights”. And while we Americans and British might dispute the justice of his claims, what has never been in dispute is that children have certain inalienable rights, and the gradual erosion of those rights has led to scores of children worldwide being denied the joys and security of childhood.

    I would therefore like to propose tonight that we install in every home a Children’s Universal Bill of Rights, the tenets of which are:

    1. The right to be loved without having to earn it.

    2. The right to be protected, without having to deserve it.

    3. The right to feel valuable, even if you came into the world with nothing.

    4. The right to be listened to without having to be interesting.

    5. The right to be read a bedtime story, without having to compete with the evening news.

    6. The right to an education without having to dodge bullets at schools.

    7. The right to be thought of as adorable – (even if you have a face that only a mother could love).

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    Friends, the foundation of all human knowledge, the beginning of human consciousness, must be that each and every one of us is an object of love. Before you know if you have red hair or brown, before you know if you are black or white, before you know of what religion you are a part, you have to know that you are loved.

    About twelve years ago, when I was just about to start my Bad tour, a little boy came with his parents to visit me at home in California. He was dying of cancer and he told me how much he loved my music and me. His parents told me that he wasn’t going to live, that any day he could just go, and I said to him: “Look, I am going to be coming to your town in Kansas to open my tour in three months. I want you to come to the show. I am going to give you this jacket that I wore in one of my videos.”

    His eyes lit up and he said: “You are gonna give it to me?” I said “Yeah, but you have to promise that you will wear it to the show.” I was trying to make him hold on. I said: “When you come to the show I want to see you in this jacket and in this glove” and I gave him one of my rhinestone gloves – and I never usually give the rhinestone gloves away. And he was just in heaven.

    But maybe he was too close to heaven, because when I came to his town, he had already died, and they had buried him in the glove and jacket. He was just 10 years old. God knows, I know, that he tried his best to hold on. But at least when he died, he knew that he was loved, not only by his parents, but even by me, a near stranger, I also loved him. And with all of that love he knew that he didn’t come into this world alone, and he certainly didn’t leave it alone.

    If you enter this world knowing you are loved and you leave this world knowing the same, then everything that happens in between can he dealt with. A professor may degrade you, but you will not feel degraded, a boss may crush you, but you will not be crushed, a corporate gladiator might vanquish you, but you will still triumph. How could any of them truly prevail in pulling you down? For you know that you are an object worthy of love. The rest is just packaging.

    But if you don’t have that memory of being loved, you are condemned to search the world for something to fill you up. But no matter how much money you make or how famous you become, you will still fell empty.What you are really searching for is unconditional love, unqualified acceptance. And that was the one thing that was denied to you at birth.

    Friends, let me paint a picture for you. Here is a typical day in America – six youths under the age of 20 will commit suicide, 12 children under the age of 20 will die from firearms – remember this is a day, not a year – 399 kids will be arrested for drug abuse, 1,352 babies will be born to teen mothers. This is happening in one of the richest, most developed countries in the history of the world.

    Yes, in my country there is an epidemic of violence that parallels no other industrialized nation. These are the ways young people in America express their hurt and their anger. But don’t think that there is not the same pain and anguish among their counterparts in the United Kingdom. Studies in this country show that every single hour, three teenagers in the UK inflict harm upon themselves, often by cutting or burning their bodies or taking an overdose. This is how they have chosen to cope with the pain of neglect and emotional agony. In Britain, as many as 20% of families will only sit down and have dinner together once a year. Once a year!

    And what about the time-honoured tradition of reading your kid a bedtime story? Research from the 1980s showed that children who are read to, had far greater literacy and significantly outperformed their peers at school. And yet, less than 33% of British children ages two to eight have a regular bedtime story read to them. You may not think much of that until you take into account that 75% of their parents did have that bedtime story when they were that age.

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    Clearly, we do not have to ask ourselves where all of this pain, anger and violent behaviour comes from. It is self-evident that children are thundering against the neglect, quaking against the indifference and crying out just to be noticed. The various child protection agencies in the US say that millions of children are victims of maltreatment in the form of neglect, in the average year.

    Yes, neglect. In rich homes, privileged homes, wired to the hilt with every electronic gadget. Homes where parents come home, but they’re not really home, because their heads are still at the office. And their kids? Well, their kids just make do with whatever emotional crumbs they get. And you don’t get much from endless TV, computer games and videos.

    These hard, cold numbers which for me, wrench the soul and shake the spirit, should indicate to you why I have devoted so much of my time and resources into making our new Heal the Kids initiative a colossal success. Our goal is simple – to recreate the parent/child bond, renew its promise and light the way forward for all the beautiful children who are destined one day to walk this earth.

    But since this is my first public lecture, and you have so warmly welcomed me into your hearts, I feel that I want to tell you more. We each have our own story, and in that sense statistics can become personal. They say that parenting is like dancing. You take one step, your child takes another.

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    I have discovered that getting parents to re-dedicate themselves to their children is only half the story. The other half is preparing the children to re-accept their parents. When I was very young I remember that we had this crazy mutt of a dog named “Black Girl,” a mix of wolf and retriever. Not only wasn’t she much of a guard dog, she was such a scared and nervous thing that it is a wonder she did not pass out every time a truck rumbled by, or a thunderstorm swept through Indiana. My sister Janet and I gave that dog so much love, but we never really won back the sense of trust that had been stolen from her by her previous owner. We knew he used to beat her. We didn’t know with what. But whatever it was, it was enough to suck the spirit right out of that dog.

    A lot of kids today are hurt puppies who have weaned themselves off the need for love. They couldn’t care less about their parents. Left to their own devices, they cherish their independence. They have moved on and have left their parents behind. Then there are the far worse cases of children who harbour animosity and resentment toward their parents, so that any overture that their parents might undertake would be thrown forcefully back in their face. Tonight, I don’t want any of us to make this mistake. That’s why I’m calling upon all the world’s children – beginning with all of us here tonight – to forgive our parents, if we felt neglected. Forgive them and teach them how to love again.

    You probably weren’t surprised to hear that I did not have an idyllic childhood. The strain and tension that exists in my relationship with my own father is well documented. My father is a tough man and he pushed my brothers and me hard, from the earliest age, to be the best performers we could be. He had great difficulty showing affection. He never really told me he loved me.

    And he never really complimented me either. If I did a great show, he would tell me it was a good show. And if I did an OK show, he told me it was a lousy show. He seemed intent, above all else, on making us a commercial success. And at that he was more than adept. My father was a managerial genius and my brothers and I owe our professional success, in no small measure, to the forceful way that he pushed us. He trained me as a showman and under his guidance I couldn’t miss a step.

    But what I really wanted was a Dad. I wanted a father who showed me love. And my father never did that. He never said I love you while looking me straight in the eye, he never played a game with me. He never gave me a piggyback ride, he never threw a pillow at me, or a water balloon. But I remember once when I was about four years old, there was a little carnival and he picked me up and put me on a pony. It was a tiny gesture, probably something he forgot five minutes later. But because of that moment I have this special place in my heart for him. Because that’s how kids are, the little things mean so much to them and for me, that one moment meant everything. I only experienced it that one time, but it made me feel really good, about him and the world.

    But now I am a father myself, and one day I was thinking about my own children, Prince and Paris and how I wanted them to think of me when they grow up. To be sure, I would like them to remember how I always wanted them with me wherever I went, how I always tried to put them before everything else.

    Blanket l., MJ r.

    But there are also challenges in their lives. Because my kids are stalked by paparazzi, they can’t always go to a park or a movie with me. So what if they grow older and resent me, and how my choices impacted their youth? Why weren’t we given an average childhood like all the other kids, they might ask? And at that moment I pray that my children will give me the benefit of the doubt. That they will say to themselves: “Our daddy did the best he could, given the unique circumstances that he faced. He may not have been perfect, but he was a warm and decent man, who tried to give us all the love in the world.”

    I hope that they will always focus on the positive things, on the sacrifices I willingly made for them, and not criticise the things they had to give up, or the errors I’ve made, and will certainly continue to make, in raising them. For we have all been someone’s child, and we know that despite the very best of plans and efforts, mistakes will always occur. That’s just being human.

    And when I think about this, of how I hope that my children will not judge me unkindly, and will forgive my shortcomings, I am forced to think of my own father and despite my earlier denials, I am forced to admit that me must have loved me. He did love me, and I know that.

    There were little things that showed it. When I was a kid I had a real sweet tooth – we all did. My favourite food was glazed doughnuts and my father knew that. So every few weeks I would come downstairs in the morning and there on the kitchen counter was a bag of glazed doughnuts – no note, no explanation – just the doughnuts. It was like Santa Claus.

    Sometimes I would think about staying up late at night, so I could see him leave them there, but just like with Santa Claus, I didn’t want to ruin the magic for fear that he would never do it again. My father had to leave them secretly at night, so as no one might catch him with his guard down. He was scared of human emotion, he didn’t understand it or know how to deal with it. But he did know doughnuts.

    And when I allow the floodgates to open up, there are other memories that come rushing back, memories of other tiny gestures, however imperfect, that showed that he did what he could. So tonight, rather than focusing on what my father didn’t do, I want to focus on all the things he did do and on his own personal challenges.

    I want to stop judging him. I have started reflecting on the fact that my father grew up in the South, in a very poor family. He came of age during the Depression and his own father, who struggled to feed his children, showed little affection towards his family and raised my father and his siblings with an iron fist. Who could have imagined what it was like to grow up a poor black man in the South, robbed of dignity, bereft of hope, struggling to become a man in a world that saw my father as subordinate.

    I was the first black artist to be played on MTV and I remember how big a deal it was even then. And that was in the 80s! My father moved to Indiana and had a large family of his own, working long hours in the steel mills, work that kills the lungs and humbles the spirit, all to support his family. Is it any wonder that he found it difficult to expose his feelings? Is it any mystery that he hardened his heart, that he raised the emotional ramparts? And most of all, is it any wonder why he pushed his sons so hard to succeed as performers, so that they could be saved from what he knew to be a life of indignity and poverty?

    U. S. Steel Corp., Gary, Indiana

    I have begun to see that even my father’s harshness was a kind of love, an imperfect love, to be sure, but love nonetheless. He pushed me because he loved me. Because he wanted no man ever to look down at his offspring. And now with time, rather than bitterness, I feel blessing. In the place of anger, I have found absolution. And in the place of revenge I have found reconciliation. And my initial fury has slowly given way to forgiveness.

    Almost a decade ago, I founded a charity called Heal the World. The title was something I felt inside me. Little did I know, as Shmuley later pointed out, that those two words form the cornerstone of Old Testament prophecy. Do I really believe that we can heal this world, that is riddled with war and genocide, even today? And do I really think that we can heal our children, the same children who can enter their schools with guns and hatred and shoot down their classmates, like they did at Columbine? Or children who can beat a defenceless toddler to death, like the tragic story of Jamie Bulger?

    Of course I do, or I wouldn’t be here tonight. But it all begins with forgiveness, because to heal the world, we first have to heal ourselves. And to heal the kids, we first have to heal the child within, each and every one of us. As an adult, and as a parent, I realise that I cannot be a whole human being, nor a parent capable of unconditional love, until I put to rest the ghosts of my own childhood.

    And that’s what I’m asking all of us to do tonight. Live up to the fifth of the Ten Commandments. Honour your parents by not judging them. Give them the benefit of the doubt. That is why I want to forgive my father and to stop judging him. I want to forgive my father, because I want a father, and this is the only one that I’ve got. I want the weight of my past lifted from my shoulders and I want to be free to step into a new relationship with my father, for the rest of my life, unhindered by the goblins of the past.

    In a world filled with hate, we must still dare to hope. In a world filled with anger, we must still dare to comfort. In a world filled with despair, we must still dare to dream. And in a world filled with distrust, we must still dare to believe. To all of you tonight who feel let down by your parents, I ask you to let down your disappointment. To all of you tonight who feel cheated by your fathers or mothers, I ask you not to cheat yourself further. And to all of you who wish to push your parents away, I ask you to extend you hand to them instead. I am asking you, I am asking myself, to give our parents the gift of unconditional love, so that they too may learn how to love from us, their children.

    So that love will finally be restored to a desolate and lonely world. Shmuley once mentioned to me an ancient Biblical prophecy which says that a new world and a new time would come, when “the hearts of the parents would be restored through the hearts of their children”. My friends, we are that world, we are those children.

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    Mahatma Gandhi said: “The weak can never forgive. Forgiveness is the attribute of the strong.” Tonight, be strong. Beyond being strong, rise to the greatest challenge of all – to restore that broken covenant. We must all overcome whatever crippling effects our childhoods may have had on our lives and in the words of Jesse Jackson, forgive each other, redeem each other and move on.

    This call for forgiveness may not result in Oprah moments the world over, with thousands of children making up with their parents, but it will at least be a start, and we’ll all be so much happier as a result. And so ladies and gentlemen, I conclude my remarks tonight with faith, joy and excitement. From this day forward, may a new song be heard. Let that new song be the sound of children laughing. Let that new song be the sound of children playing. Let that new song be the sound of children singing. And let that new song be the sound of parents listening.

    Together, let us create a symphony of hearts, marvelling at the miracle of our children and basking in the beauty of love. Let us heal the world and blight its pain. And may we all make beautiful music together. God bless you, and I love you.

    Ox ford university; from inside the Bodleian Library

    source:

    http://www.youtube.com/watch?v=lFDkyglJYk4&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=T1ja98RyAl0&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=hCGiynoDDSY&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=rxpeRbojrYQ&feature=related

  • Ältester Schmuck in Marokko gefunden.

    Durchbohrte Nassarius-Muscheln Institute of Archaeology, University of Oxford

    Bei Ausgrabungen in Marokko ist der bisher älteste datierbare Schmuck der Menschheit gefunden worden: fingernagelgroße, perforierte und mit Ocker verzierte Nassarius-Muscheln.

    Die Grotte des Pigeons bei Taforalt in Marokko, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, gewährt immer wieder Einblicke in das Leben der ersten modernen Menschen in Afrika. Eine Begräbnisstätte wie auch Funde von Schmuck und den Knochen erlegter Tiere belegen, dass die Höhle über lange Zeit als Anlaufpunkt diente.

    Bei den Ausgrabungen unter Leitung von Prof. Nick Barton (Institute of Archaeology, University of Oxford) und Dr. Abdeljalil Bouzzougar (Institut National des Sciences de l’Archéologie et Patrimoine, Rabat, Marokko) fanden sich nun die ältesten, als Schmuck verwendeten Nassarius-Muscheln.

    Nur fingernagelgroße, perforierte und teilweise mit rotem Ocker verzierte Muscheln – so muss man sich den Schmuck unserer Vorfahren vorstellen. Die neu entdeckten Muscheln müssen, ausgehend von bereits datierten Muscheln aus höheren Sedimentschichten, die 82 000 Jahre alt sind, noch älter sein. Damit wäre der Schmuck bedeutend älter als die in der Blombos Höhle in Südafrika gefundenen Muscheln derselben Art, deren Alter von 72 000 Jahren belegt ist. Die ältesten Funde solcher Schmuckstücke in Europa sind gerade einmal 40 000 Jahre alt.

    Besonders faszinierend an diesen Schmuckstücken ist die Tatsache, dass ähnliche Stücke in einer geographisch so weit entfernten Region gefunden wurden. Die seit 2005 an dem Projekt beteiligte Archäologin Dr. Elaine Turner vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum erklärt, dass das Alter der in Marokko gefundenen Muscheln nahe legt, dass Menschen schon vor mehr als 82 000 Jahren eine fortgeschrittene symbolische Kultur entwickelt hatten: Für sie war mehr von Bedeutung als nur der tägliche Überlebenskampf um Nahrung, Wasser und den Schutz vor Raubtieren.

    Quelle: idw

  • Ein mutiger Mensch.

    Ein mutiger Mensch.

    Juli 5, 2009

    Dangerous!

    Jacksons Tanz – Schönheit ist Männersache

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    DIE ZEIT, Ausgabe 28, 2009
    Von Evelyn Finger | © DIE ZEIT, 02.07.2009 Nr. 28

    Ein Triumph über alle Gewalt: Michael Jackson hat den Tanz als Entfesselungskunst zelebriert
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    Bevor der Nachlass verteilt wird, kommen die Grabredner und machen den Toten gesellschaftsfähig. Im Fall von Michael Jackson betrauern sie jetzt das misshandelte Kind, vergessen aber, dass er als Sexsymbol auch über seinen Peiniger triumphierte. Das prüde Totengedenken geht so: Leugnung des Lustprinzips, Wendung ins Asexuelle, Andeutung gewisser Perversionen. Alles läuft darauf hinaus, dass Michael Jackson kein richtiger Kerl war. Beerdigt wird ein Geschlechtsloser, ein Mann ohne Eigenschaften.
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    Doch der Tote, den man uns hier als weibisches Zwitterwesen verkauft, war zu Lebzeiten einer der aggressivsten Tänzer der Welt. Er bewegte sich nicht nur schneller, sondern auch kraftvoller als all die geföhnten Schönlinge der achtziger Jahre. Er verkörperte den neoromantischen Machismo des Pop mit unnachahmlicher Coolness und machte den Bühnentanz endgültig zur Männersache.
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    Das Atemberaubende an dem Horrorclip Thriller, der jetzt dauernd erwähnt wird, war ja nicht die Verwandlung des jungen Helden in einen Werwolf. Es war die herausfordernde und zugleich sublime Erotik, mit der Michael Jackson sich auf sein Publikum zubewegte. An der Spitze eines Heeres lüsterner Zombies provozierte er uns mit einem Tanzstil, der das Süßliche der Broadwayshows und das Künstliche der Liebesfilmgesten hinter sich ließ, ohne den Spielcharakter des Sexuellen zu leugnen. Hart knallen die Füße der Männer auf die Straße, scharf schneiden die Arme durch die Luft, kantig rucken die Schultern – doch die rhythmische Beckenarbeit hat nichts Pornografisches, eher etwas Ironisches. Darin besteht Michael Jacksons Kunst: dass er Sex als Zitat benutzt und zugleich zelebriert, dass er den Körper vorführt und feiert.
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    Der Jazzdance des jungen Jackson war eigentlich Streetjazz. Die contractions waren stark beschleunigt, die isolations ins Extrem getrieben. Man kann sagen: Auf der Bühne hat er den Stil der Straße erfunden. Zwar benutzte er noch Musical-Posen und Stepptanzschritte, aber er kombinierte sie mit schrillen Breakdance-Tricks.
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    »How can we know the dancer from the dance«, fragt der irische Romantiker William Butler Yeats in seinem Gedicht Amongst Schoolchildren . Wir können am Tanzstil Michael Jacksons einen mutigen Menschen erkennen. Seine physische Kühnheit überstrahlt alle Kostüme und Masken. Sie ist nichts durch Prügel Erzwungenes, sondern gegen die Prügel Behauptetes. Mag jetzt der Moonwalk wieder in Mode kommen, nie wird ihn jemand so selbstvergessen tanzen wie Jacko. Er ist der Mann, der seinen gestählten Körper aufs Spiel setzte, der sich über die Demütigungen der Kindheit erhob, für einen triumphalen Moment. Seine Ästhetik wird die Küchenpsychologen überdauern, die behaupten, dass er beim Griff in den Schritt einen Handschuh trug, weil er Berührungsängste hatte. Könnte es sein, dass der Glitzerhandschuh die obszöne Geste einfach nur sichtbar machte? Er war Zubehör eines Entertainers, der die Entfesselung der Triebe lachend zelebrierte. Er war Zeichen einer Selbstbefreiung, eines Lustrauschs, in den der Jahrhunderttänzer sich und die Welt versetzte.

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    BRAVO, “Zeit”! Sagt mir bloß: Warum habe ich euch nicht gehört, als er noch lebte?

  • An Stelle eines Nachrufs: We had him.

     

     

    michael_jackson_sculpture

    Will he come back?

    Seit Jahr und Tag konnte von Michael Jackson nicht ohne Häme gesprochen werden. Jetzt wird er fünfzig, und auf einmal ist der Spott verflogen – als habe er sich zu einem Klassiker jenseits von Gut und Böse verflüchtigt. Schon, als Anfang des Jahres die Jubiläums-Auflage von Thriller zu einem unerwarteten Kassenschlager wurde, war fast so was wie Wehmut im Spiel. Feiert er Abschied – oder bereitet er doch sein nächstes Comeback vor? Und fast klang es, als flehten sie: Er soll wiederkommen!

    Warum? Ja, das war eine Zeit, als die Welt noch ihre Stars hatte! Jetzt hat sie nur noch Eintagsfliegen vom Laufband, technisch perfekt und gestylt, dass man einen nicht vom andern unterscheiden kann. Wenn man die Kinder-Stars von „Tokio Hotel“ mal ausnimmt… Aber die erscheinen wie eine Ausnahme von der Regel, ein Stück Natur in einer Welt medialer Erkünstelung.

    Ein Ende des Starsystems?

    Der Star selbst ist keine Erfindung der modernen Medien. Es gibt ihn, seit es die Kunst mit dem großen K gibt. Seit sie sich als besonderes Gewerk der Erzeugung schöner Dinge aus dem Kultus des Ewigen einerseits und der Verzierung der Alltagsgeschäfte andrerseits herauslöste, war der Künstler, als Renaissancemensch par excellence, ein Held seiner Zeit. Er schafft ein Reich des rein Ästhetischen jenseits, diesseits von Nutz und Zweck. Er ist ein Star der Schönen und Reichen. Zur bürgerlichen Welt, deren Künder er war, gerät er endlich in Gegensatz. Er wird ihr Antiheld. Seit der Romantik ist es amtlich, und aus Kunst wird Avantgarde – für den auserlesenen Kreis der Kenner. Was wahre Kunst ist, wird nun ewig strittig sein. Doch aktuell kennzeichnet sie sich als das, was von Künstlern erzeugt wird, das allein ist unstrittig. Die Eigenart des Künstlers ist es, die sich der Kunst als ihre ästhetische Qualität mitteilt: der Personalstil. Dieser definiert jene, nicht umgekehrt. Die Aura der Kunst wird zur Aura des Stars. Er ist der Nah-Ferne schlechthin.

    Kann aber Künstler sein, wer nicht zur Avantgarde zählt? Wer Erfolg hat? Dieser Zweifel gilt nicht erst den Industriellen des Unterhaltungsgewerbes, er galt schon den großen Virtuosen des 19. Jahrhunderts. Zum Star der Massen wird der Antiheld überall da, wo Kunst als Industrie auftritt. Im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit wird der Massencharakter der Kunst punktiert von ihrem Ereignischarakter: die Gegenwart des Stars, der Auftritt, aus dem Werk wird die Performance. Und der Star ästhetisiert die Technik und prägt die Industrie zur Kunst um: Durch das Kino konnte Charles Spencer Chaplin zum ersten Weltstar werden. Und durch die Figur des Charlie ist Kino Kunst geworden.

     

    Das Wunderkind als Wiedergänger

    Schwermut, die unwiderstehlich in den Abgrund

    der Kindheit hinunterzog…

    Th. W. Adorno

    Wie konnte einer überhaupt zum Größten Star Aller Zeiten werden? Adornos Wort von der Schwermut, die’s zur Kindheit zurückzieht, lüftete vorab das Geheimnis der weltweit gewaltigsten Künstlerkarriere. Er meinte damit das, was der Freudianer eine Regression nennt – nämlich sofern sie unbewusst geschieht. Wie aber, wenn einer die Rückkehr zur Kindheit in Bewusstheit will? Zu einer Kindheit gar, die niemals stattgefunden hat!

    Ohne Melancholie wäre er nicht geworden, was er ist. Wäre er aber zum Melancholiker geworden, stünde er nicht seit dem sechsten Lebensjahr auf einer Bühne, die ihm tatsächlich die Welt bedeutet? Er sagt es selbst: Geprellt um seine Kindheit von einem besessenen und grausamen Vater, hetzt er rastlos einer Vergangenheit hinterher, die es gar nicht gab: Have you seen my childhood?

    Mit elf Jahren hat er als Lead-Sänger der Jackson 5 seinen ersten Number-One-Hit, und drei Jahre lang nehmen die Triumph-Tourneen und Platin-Alben kein Ende, selbst die Beatles werden überrundet. Aber Jugend vergeht. Mit fünfzehn gibt er schon wie ein Oldie seine Show in Las Vegas, in der Nachbarschaft des wieder- gekommenen Elvis Presley. Und das soll alles gewesen sein? 1978 veröffentlicht das gealterte Wun- derkind sein erstes eignes Album, Off The Wall. Es wird ein Überraschungshit. Es setzt einen furiosen Schlusspunkt hinter die blütenweiße Disco-Ära und eröffnet die Wende zu einem schwärzelnden Pop-Soul. 1983 wird Thriller zum größten Verkaufserfolg der Tonträgerindustrie. Bis heute wurde es rund sechzig Millionen Mal verkauft. An der musikalischen Qualität lag es nicht nur. Auf dieser Scheibe kam alles zusammen, was der musikalische Zeitgeschmack zu bieten hatte. Weißer Pomp-Rock, schwarzer Funk-Soul und bunt schillernder Elektro-Pop. Und, als Jacksons eigenster Beitrag, das alles fused in den beiden Höhepunkten Beat It und Billie Jean.

    Jackson-Funk, sein Personalstil, ist die Vereinigung schärfster Polyrhythmik mit einer unüberhörbaren Basslinie und mit durchgängiger Melodik – etwas, das “eigentlich gar nicht geht”: eine Musik, die ganz schwarz ist und zugleich ganz weiß und trotzdem nix für Freunde des goldnen Mittelwegs. Sie prägt das folgende Album ganz: Bad konnte schon darum nicht so viel verkaufen wie Thriller, weil es ein klares Profil hat. Das kann nicht jedermanns Geschmack sein. Es wurde nur zum zweitmeist verkauften Album aller Zeiten. Bis es von Dangerous stilistisch überboten und an den Kassen überholt wurde: Die Verkaufszahlen nähern sich seit 1991 den dreißig Millionen. Es war Jacksons musikalischer Gipfel.

    Mit Thriller hat sich Michael Jackson zur Figur erfunden, auch physiognomisch: zum “Jacko”. Seither ist es die Figur, die die Musik trägt. Auf Dangerous ist kein Stück mehr, das glaubhaft auch von einem andern dargeboten werden könnte. “Er selbst ist das Werk, und das Werk ist er”, hatte Schiller vorausgesagt.

     

    Dann kam The Jackson Chase, zum xten Mal ward er totgesagt und ist in einer gewaltigen Materialschlacht doch wiedergekommen. Nur verschwammen an der Jacko-Figur die Konturen. HIStory war überfrachtet, die Tournee war eigentlich besser als das Album. Das folgende Album Invincible (2001) war ein Misserfolg; ein relativer: Jeder andre wäre über solchen Misserfolg froh. Offenbar sollte es das Erfolgsrezept von Off The Wall kopieren: an den gerade noch herrschenden Techno-Geschmack anknüpfen, um ihn zu R&B einzuschwärzen. Kam Invincible zu früh? Eher war wohl diese Musik einerseits zu beliebig, andrerseits zu gemacht, um durchzuschlagen. Am Reißbrett entsteht keine Kunst, sondern Konfektionsware, und die erlaubt nur einen Standarderfolg. Nach dem Durchschnittsgeschmack schielen durfte das gealterte Wunderkind auf der Suche nach seiner zweiten Chance; aber nicht der Größte Star Aller Zeiten.

    Black & white

    Weil es ohne moderne Medien einen größten Star aller Zeiten gar nicht gäbe, meint die Einfalt, nur die Medien hätten ihn dazu gemacht. Wer er ist, welche Musik er macht, sei ganz zufällig, genauso gut hätte es ein andrer werdenkönnen. Schon bei der Musik stimmt es nicht. Nur eine Platte mit “schwarzer” Musik konnte zum je meist, zweitmeist und drittmeist verkauften Album der Musikgeschichte werden. Und dass sie von einem Sänger vorgetragen wurde, der selber schwarz ist und auch wieder nicht, hat ihr’ Teil dazu beigetragen.

    In der europäischen Musik ist über die Jahrhunderte “das Ausdruckslose der Konstruktion”, wie Adorno es nennt, vorherrschend geworden, und das lag wohl am bürgerlichen Charakter der Öffentlichkeit, wo nur das bestand, was sich vermitteln ließ. Die modernen Medien fingieren nun eine neue Unmittelbarkeit, wo Ausdruck nicht nur erlaubt, sondern unverzichtbar ist – weil der Künstler sonst keinen Eindruck macht. Nicht Perfektion wird vom Star erwartet, sondern eine Gänsehaut. Keine Kunstform der konstruktiven europäischen Tradition kann das bieten. Die Expressionisten blickten nach Afrika, die Unterhaltungsindustrie importierte “Negermusik”. Nicht von schwarzafrikanischer Musik ist die Rede, sondern von schwarzamerikanischer. Als die Negersklaven den Boden der Neuen Welt betraten, war ihnen buchstäblich nichts geblieben, das sie hätten mitbringen können. Alle Zusammenhänge waren ihnen zerrissen, nicht einmal die Blutsbande blieben gewahrt (ein anhaltendes Problem im schwarzen Amerika). Alles musste neu erfunden werden, wenn nicht aus dem Nichts, dann aus tiefster Not. Darum nimmt ja die Musik im schwarzamerikanischen Alltag so viel Platz ein. Nachdem die afrikanischen Sprachen verloren waren und der Zugang zur englischen versperrt, blieben als Ausdrucksmittel einzig Gesang und Tanz übrig. Und zwar der Rhythmus, der sich immer neu erfindet, eher als die Melodie, die aus alter Überlieferung schöpfen muss.

    Behaupten mussten sie sich gegen die Musik des weißen massa. Das Spezifikum der schwarzamerikanischen Musik, das den Rhythm and Blues als “universelles musikalisches Esperanto”, wie Quincy Jones sagt, um den Erdball trug, bliebe ohne diese demütig-aufrührerische Frontstellung ganz rätselhaft: Das polyrhythmische Schweben in seiner gespanntesten Form, dem swing (den es in Afrika nicht gibt), dient zur Selbstvergewisserung der Ärmsten der Armen, die sonst nichts haben. Wer immer sich auf der Welt geringgeschätzt glaubt und sucht, woran er sich auflehnen kann, findet da, was er braucht. Es gibt keine Jugendkultur ohne Musik; doch ohne das musikalische Esperanto des Rhythm and Blues gäbe es nur lokal beschränkte, ephemäre und provinzielle Jugendkulturen. Zum Weltkulturerbe hätte sie’s nie gebracht. Einen größten Star aller Zeiten gäbe es nicht.

     

    Das Wort Jugendkultur hat Gustav Wyneken für den Wandervogel geprägt. Der war, als Inbegriff des “deutschen Sonderwegs”, ein Partikularismus par excellence. Der Rockrevolution der fünfziger Jahre hat er nicht standgehalten. Sex and Rock ‘n Roll – das heißt seither Jugendkultur. Und Rock ‘n Roll war nichts anderes als die weiße Verpackung für den schwarzen Rhythm and Blues. Die “schwarze Stimme mit dem weißen Gesicht” hieß Elvis Aaron Presley. Doch der Rock ‘n Roll ist rasch erbleicht; Bill Haley und, o Gott, Peter Kraus!

    Man kann die Geschichte der Popmusik als eine Kurve zeichnen, wo auf jeden schwarzen Wellenberg eine lange blasse Ebbe folgt; bis zur nächsten Woge. (Die Ebbe ahnt, wo sie herkommt. Barry Gibb von den Bee Gees, die mit Saturday Night Fever den größten Erfolg der Disco-Ära eingespielt haben, sagt: “Die Leute nannten es Disco, aber wir dachten, wir machen Rhythm and Blues.”) Ein schwarzer Kaventsmann war die Musik des (ersten schwarzen) Schallplattenkonzerns Motown. Smokey Robinson, Marvin Gaye, Gladys Knight, Stevie Wonder und Diana Ross waren seine bis heute bekannten Stars. Und seine letzten wurden am bekanntesten: The Jackson Five. Von der Disco-Ebbe verschluckt, kam deren Lead-Sänger dann zurück wie ein Tsunami. Seine Karriere blieb nicht auf den nordatlantisch-protestantischen Kulturkreis beschränkt wie die von Elvis, nicht auf die westliche Hemisphäre wie Beatlemania. Michaelmania überzog erstmals buchstäblich die ganze Erde. Sozialforscher wollen herausgefunden haben, dass neunzig Prozent der Erdbewohner wussten, wer Michael Jackson war. Ein lilienweißer Schwarzer, der bekannteste Sterbliche unter der Sonne…

    Das lebende Gesamtkunstwerk

    Von unsern Künstlern sind wir gewohnt, dass Perfektion und Ausdruck Gegensätze sind und eins immer auf Kosten des andern geht; Fischer-Dieskau kann ein Lied davon singen. Für Michael Jackson gilt das nicht. “Übung, schätz ich”, hat er gesagt, als ein Junge ihn fragte, woher er so irre tanzen kann. Seit er fünf Jahre alt ist, findet sein wirkliches Leben auf der Bühne statt, da war Zeit, sich einiges anzueignen. Doch dass sich bei ihm der Ausdruck mit der Perfektion steigert und die Perfektion nur im Ausdruck gelingt, mag man Ingenium nennen. Noch nie ist eine Künstlerbiographie so vollständig mit einer Karrierechronik in eins gefallen. “Vom wirklichen Genuss des Lebens kenne ich gar nichts. Für mich ist der Genuss des Lebens und der Liebe nur ein Gegenstand der Einbildungskraft, nicht der Erfahrung. So musste mir das Herz in das Hirn treten und mein Leben nur noch ein künstliches werden. Nur noch als Künstler kann ich leben, in ihm ist mein ganzer Mensch aufgegangen.” Das hat Richard Wagner gesagt, als erster Großindustrieller der Unterhaltungskunst ein Ahnherr von Michael Jackson, aber es war Koketterie. Michael Jackson käme solches nie über die Lippen, aber auf ihn trifft es zu.

    Es waren nicht die Medien, die den Star erfunden haben. Andersrum: In der Medienwelt kann der Künstler nur als Star bestehen.

    Imagebuilding wird zur eignen Kunstgattung. Sich zur Figur zu stilisieren ist der artistische Elementarakt. Die Figur ist der Personalstil, sie ist es, die die Performance authentifiziert. Für den Normalstar gilt das annäherungsweise, Madonna zum Beispiel muss sich jede Saison neu stilisieren, um glaubhaft zu werden. Nur für Michael Jackson gilt es absolut. Er ist das lebende Gesamtkunstwerk. Er ist nichts anderes als “Jacko”, er ist in seiner Figur aufgegangen ohne jeden privaten Rest. Seine Verwicklungen mit der kalifornischen Justiz waren der Punkt auf dem i.

    Das Eigentümliche am Genie ist nach Jean Paul sein Vermögen, der Welt eine neue Ansicht von ihr selbst zu zeigen. Die ästhetisch-eigne Sicht der Welt hat diesen Vorzug vor den philosophisch- oder naturwissenschaftlich-eigenen: daß man sie nicht teilen muß, um sie zu schätzen. Im Gegenteil – dass sie befremdet, macht eine originäre ästhetische Qualität erst aus. Genie allein qualifiziert eher zum Verkanntsein als zum Welterfolg. Damit einer zum größten Star aller Zeiten werden konnte, musste seine ‚neue Ansicht der Welt’ die Menschen aller Kontinente so sehr befremden, dass ihnen millionen-, milliardenfach die Spucke wegblieb. Das ist durch das Wie ihrer Darreichung nicht zu erklären. Es wird am Was liegen.

    Der Kinderkönig

    Mit ihm hat das Wort Kinder-Star einen neuen Sinn bekommen. Er ist der erste Popkünstler, der sich nicht die Halbstarken, sondern ausdrücklich die Kinder zum Publikum erwählt hat, und die haben ihn zum größten Star aller Zeiten kreiert. Diese ‚Jugendkultur’ ist Kiddie Kulture. Er hat sie nicht erfunden, aber er hat ihr eine Aura gegeben, die sie sonst nicht hätte. Es war eine lebensgeschichtliche Affinität, wie eine offene Wunde. Doch zum Künstler wird keiner, ders nicht nötig hat. “Ein Werden und Vergehen, ein Bauen und Zerstören in ewig gleicher Unschuld hat” nach Nietzsche “in dieser Welt allein das Spiel des Künstlers und des Kindes.” In der bürgerlichen Welt ist der Phänotyp des Künstlers zum Statthalter der im Arbeitsalltag lästig gewordenen Kindlichkeit erwachsen. Sie macht die ästhetische Qualiät der Werke nicht aus, aber sie bereitet den Boden, aus dem sie wächst.

    Welches Vorbild der Jacko-Figur zugrundeliegt, sagt er jedem, der es hören will. Es ist Peter Pan, der lost boy im Nimmerland, der es ablehnt, erwachsen zu werden. Der hatte allerdings selber ein Vorbild. Das war sein Erfinder, James Matthew Barrie, der sich so sehr sträubte, erwachsen zu sein, dass er sein Leben lang Größe und Gestalt eines Zwölfjährigen behielt; der sich mit Kindern umgab, die er zu seinem Lebensinhalt machte und damit sein Geld verdiente. Ein Kinderkönig, das Leben ein Spiel. Natürlich wurden ihm dieselben unanständigen Laster angehängt, wie seinem heutigen Nachfahr.

     

    Zum Jacko zurechtgeschnitten, erscheint The Real Peter Pan als bleicher Knabe, grazil und zapplig und mit einer außerirdischen Stupsnase, mal eher schön, mal eher komisch. Ein flüchtiger Journalistenblick wollte Zeichen von Androgynie erkennen. Es ist aber nicht eine Rundung zu sehen. Es ist die filiforme Figur eines zu rasch aufgeschossenen Dreizehnjährigen, und die schlacksige Grazie seiner Schritte und Posen ist so mädchenhaft wie ein Fußballstutzen. Eben Peter Pan und nicht Alice im Wunderland. Doch die Wirklichkeit ist schräger als die Fiktion. Während James Barrie’s Theaterfigur bleiben durfte, was sie immer war, kehrte ihr realexistierender Sproß dahin zurück, wo er nie gewesen ist, in seine Kindheit, Neverland.

    Ein päderastischer Affekt

    Dass er so zum König der Kinder ward, ist an dieser wahnwitzigen Karriere das am wenigsten Rätselhafte. Dass er Caravaggio, Der siegende Amordamit auf breiter Front zugleich die Generation ihrer Mütter und Väter schwach machte, überrascht allerdings. Verstohlen um sich schielend, feixen sie in den Bildschirm und können den Blick nicht von ihm wenden: Denkwürdig bleibt sein alle Rekorde brechender Auftritt bei Wetten dass?

    Das Faszinierende und Anstößige an dieser Figur ist ihre surreale Duplizität. Er ist immer nicht nur dies, sondern zugleich auch das andere. Er ist der Jacko, Größter Star Aller Zeiten, aber er bleibt der kleine Michael mit den traurigen Augen und der klagenden Stimme. Er ist schwarz und er ist weiß, er ist klein und überlang, ist unernst ernst, pathetisch komisch, kitschig grotesk, er “vereinigt Unschuld und ausgekochten Professionalismus, unverstellte Gefühlstiefe und ausgefuchste Kalkulation”, schrieb Rowohlts Rock-Lexikon, er ist das wandelnde Paradox – ein “Bambi der Rockmusik”. Er ist der Kinderkönig, aber den andern ist er Unser Kleiner Prinz. Das Verführerische an dieser Figur wird weniger mysteriös, wenn man ihm einen Namen gibt: Es ist selber ein päderastischer Affekt, und sein doppelter “Fall”, der dann doch keiner wurde, war unsere verschämte Projektion.

    Dass aber puer aeternus, die mythische Gestalt des wilden Knaben, mehr Menschen hypnotisieren konnte als weiland Elvis und die Beatles zusammen, ist das eigentliche Mysterium. Erotik spielt sicher mit rein, aber Sex nur in Sonderfällen. Die Verführung ist ästhetisch-”sinnhaft”, und ihr Hintergrund weniger tiefenpsychologisch als kulturhistorisch. Es hat damit zu tun, dass die Erwachsenheit veraltet und das Kindliche eine eigne Mächtigkeit gewinnt.

    Homo ludens victor

    Tiefenpsychologie findet ihren Platz freilich auf der Gegenseite. Die in Michael Jackson Gestalt gewordene weltweite Faszination vom “Kindesmissbrauch” trägt die Züge dessen, was Professor Freud eine Widerstandsreaktion genannt hat; “haltet den Dieb”, sagt der Volks- mund. Denn sein Aufstieg fiel zusammen mit dem Beginn einer zivilisatorischen Krise, der tiefsten seit der Neolithischen Revolution, und heizt sie an: Es ist das Ende der Arbeitsgesellschaft. Das Ende jener Zivilisation von Notdurft, Arbeit, Nutz und Zweck, die vor runden zehntausend Jahren im Tal des Jordan anfing, als die Menschen sesshaft wurden und den Ackerbau begannen. Ein relativer Überschuss, der sich akkumulieren und berechnen ließ, wurde zur Prämisse des Daseins. Es begann die Bevölkerungsexplosion, der Kampf um die Verteilung, die Klassenspaltung und das Elend der großen Masse. Bedürfnis und Arbeit, besoin und besogne wurden zur Condition humaine. Die Arbeit wurde zum Wirkgrund der Werte. Sie wurde zum Rechtsgrund der Welt. Der Erwachsene wurde eigentlicher als das Kind, und Heiterkeit blieb nur der Kunst.

    Doch damit geht es jetzt zu Ende, denn die wirkliche Arbeit machen die Maschinen. Arbeit bleibt nicht Sinn des Lebens, wenn Mangel nicht mehr sein beherrschendes Thema ist, und unsere (Ent-) Sorge gilt immer mehr dem Überfluss… “Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein”, ist sie auch nicht länger der Wert, der an und durch sich selber gilt. Was wird dann aus dem Unterschied von Kindheit und Erwachsenheit? Von Ernst und Unernst? Von Mitteln und Zwecken? Wieso ist Arbeit würdiger als Spiel und Erwachsenheit etwas, wonach es zu streben lohnt? Und allenthalben erwacht das Kind im Manne! Die Welt kann sich jetzt nur noch ästhetisch recht- fertigen. Aber das sollte sie.

    Michael Jackson sorgt für Aufregung, weil er das hyperkinetische Ausrufzeichen ist hinter dem Selbstzweifel unserer jahrzehntausendalten michael_jackson_dangerousZivilisation von Aufwand und Nutzen. Zwar bedurfte es für diesmal noch seines exorbitanten Ingeniums, aber unmöglich war es nicht; Peter Pan war ins richtige Leben getreten. Es gab die Theorie, nicht die Arbeit, sondern das Spiel sei die Wurzel der Kultur. Das war überzogen. Aber es ist sicherlich ihr Zweck. Und Michael Jackson ist ein lebendes Denkmal für homo ludens victor. Er hat der Welt eine neue Ansicht ihrer selbst gezeigt. Daher der Hass, daher die Versuchung. Er ist ein großes geschichtliches Ereignis.

    Er war da

    Das schneeweiße Techno-Plätschern, das ohne Stars auskam, verläuft sich. 1000 Zuckungen pM ersetzen auf Dauer nicht den Rhythmus und das Dähnßen nicht den Tanz. Die Love Parade hat fertig. Der Star ist wieder gefragt, dessen Aura die Performance zur Kunst ästhetisiert. Nur einer kann hoffen, allein durch seinen Auftritt im World Wide Web, ohne Album, ohne CD und ohne Corporation genug abzusetzen, um die steigenden Produktionskosten einzuspielen; sobald nämlich das Problem der Raubkopien befriedigend gelöst ist: der größte Star aller Zeiten. An Inspiration wirds ihm nicht fehlen. Nur ist auch er nicht davor gefeit, sich künstlerisch zu verkalkulieren. Nämlich dann nicht, wenn er kalkuliert. Das ist tödlich für die Kunst. Er wird als Künstler wiederkommen, oder er wird nicht wiederkommen.

    Doch ob oder ob nicht, ist fast schon nebensächlich. Das geschichtliche Ereignis hat stattgefunden. Er hat Peter Pan-Jacko ins richtige Leben überführt. Wohl hat er dort Schaden genommen, und dass sein Scheitern noch immer nicht ausgeschlossen ist, verbürgt seine Echtheit. Es ist nicht das Zwielichtige selbst, das ihn beschädigt hat – damit hatte er stets geliebäugelt. Es ist die Banalisierung. Die Philister haben ihn zu fassen gekriegt und in ihren Kreis gezogen. Was sonst noch eine vage Spur von Schwermut war, hat sich zu einem Zug von Tragik verschärft. Eigentlich ist er erst jetzt der romantische Künstler in ganzer Gestalt. Dies in die renovierte Jacko-Figur einzuprägen, ohne der Versuchung zum Kitsch zu sehr nachzugeben; ohne nämlich ihre beißende Ironie zu verraten – das wird ein echtes Kunst-Stück. Ob es gelingt, wird man sehen. So oder so, he was there, das ist, was zählt.

    Literatur:

    Jochen Ebmeier

    Michael Jackson. Das Phänomen

    Mainz 1999 (Schott)

  • Das lebende Gesamtkunstwerk.

    Smooth criminal

    Wir sehen die Natur so an, als ob sie ein Kunstwerk wäre.

    Und danach erst beurteilen wir die Kunst danach, wie weit sie der Natur entspricht.

    Er war ein Kunstwerk, das sich die Natur einverleibt hat.

  • Good bye, Michael.

    who is ist?
    Just another part of me.
  • Vom freien Willen – Eine Einführung.

    messer-hand

    aus einem Internet-Forum

    Wie es mit dem “freie Willen” beschaffen ist – darüber gingen die Meinungen schon immer auseinander, nicht erst in der Philosophie, sondern schon in der Theologie – und dort kommt die Idee (das ist es viel eher als ein ‘Begriff’) her. Wenn die Menschen nicht selber verantwortlich wären für ihr Tun und Lassen, dann gäbe es keine Sünde, keine Reue, keine Erlösung. Dann hätte der liebe Gott nichts zu tun.
    .
    Mit der Reformation kam – insbesondere bei Jean Calvin – die Anschauung auf, alles sei von Gott längst vorherbestimmt. Man könne sich durch gottesfürchtiges Handeln Gottes Gnade nicht “verdienen” wie einen geschuldeten Lohn, man müsse sich in seinen unerforschlichen Ratschluss ergeben. Ich könne allenfalls an mir arbeiten, um seiner Gnade wert zu sein – falls seine Wahl denn einst auf mich fallen sollte…
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    Die äußerste entgegengesetzte Position nahmen die Jesuiten ein. Darum haben sie auch ein pedantisch ausgefeilte Moralsystem ausgearbeitet, das für jeden denkbaren “Fall” die richtige Lösung vorausberechnen sollte.
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    Alle geistigen Bewegungen jener Zeit spielten sich vorm Hintergrund dieses Gegensatzes ab.
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    Die Philosophie hat sich aus der Theologie eigentlich erst mit Descartes gelöst (wie die Wissenschaften mit Galileo). Nicht, dass in seinem System Gott nicht vorkäme: Der ist auch bei ihm die Voraussetzung. Aber unsere Erkenntnismöglichkeiten will er auf unser eigenes Denken zurückführen, nicht auf den geoffenbarten Glauben. Dass wir denken können, sei überhaupt der einzige Beweis dafür, dass wir wirklich sind.
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    Spinoza hat (an Descartes in gewisser Weise anknüpfend) ein rationalistisches Weltsystem entworfen, in dem Gott und die Natur ein und dasselbe sind und in dem alles streng gesetzmäßig zugeht. Er ist von allen Leugnern des freien Willens der entschiedenste gewesen. Und sofern die Einlassungen der Naturwissenschaftler Singer und Roth überhaupt mit Philosophie zu tun haben, sagen sie buchstäblich nicht ein Wort mehr als Spinoza. Neu ist bei ihnen insofern gar nichts. Außer der Behauptung, dass es sich um einen Gegenstand der Naturwissenschaft handele.
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    Man kann die Frage nach dem freien Willen auf dreierlei Art behandeln. Die Psychologie (sofern sie eine empirische Wissenschaft ist) kann untersuchen, wie im einzelnen Individuum Entscheidungsvorgänge verlaufen, und das hat Libet versucht. Sie wird aber (empirisch) niemals ‘Ursachen’ und ‘Motive’ sauber voneinander trennen können, weil das keine ‘Tatsachen’ sind, die man beobachten könnte, sondern Denk-(Werk-)Zeuge, mit deren Hilfe man etwas beobachten kann. Sie sind nicht Gegenstand von Forschung, sondern zählen zu ihren begrifflichen Voraussetzungen.
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    Dann gibt es die sogenannte ‘transzendentale’ Freiheit; na ja, ob es sie ‘gibt’, ist auch nicht unstrittig. Der Gedanke stammt aus Kants ‘kopernikanischer Wende’ der Philosophie: Wir wissen von nichts anderem als dem, was… in unserm Wissen vorkommt. Das ist durchaus nicht trivial. Denn alle Philosophie vor ihm machte sich Gedanken über die Dinge, wie sie außerhalb unseres Wissens sein mögen. Aber davon können wir nunmal nichts wissen. Die Frage nach der Wahrheit oder Richtigkeit unseres Wissens müssen wir daher nicht an die Dinge stellen, sondern an unser Wissen selbst. Kants (drei) ‘Kritiken’ sollten eine philosophische Untersuchung darüber sein, wie unser Wissen zustande kommt.
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    Seither kann theoretische (!) Philosophie nicht mehr anders betrieben werden.
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    Was hat das mit Freiheit zu tun? Der Elementarakt des Wissens ist das Urteil. Dass Urteile möglich sind, setzt voraus, dass einer da ist, der zu urteilen befähigt ist. Das Wissen beginnt also beim Subjekt. Wenn das nicht frei wäre zu urteilen – nicht aus eignem Vermögen urteilen könnte -, gäbe es kein Wissen.
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    Und drittens gibt es… nein: drittens kann man ‘praktische’ Philosophie betreiben. Die handelt nicht, wie die theoretische Philosophie, von dem, was ist, sondern von dem, was sein, d. h. was ich tun soll. Praktische Philosophie, Ethik, Moralphilosophie – das bedeutet dasselbe. Bei der steht am Anfang nicht die Frage, ob ‘es’ die Freiheit des Willens ‘gibt’, sondern die Prämisse (‚Postulat’), dass es ihn geben soll. Anders ist Moral ja gar nicht möglich.
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    Genau das sagen auch Roth und Singer. Nur glauben sie, dass sie theoretisch “beobachten” können, ob ‘es’ einen freien Willen ‘gibt’, und wollen davon abhängig machen, ob es Moral geben kann.
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    Praktisch ist es aber andersrum. Da ‘es’ Moral ‘gibt’, ist der freie Wille gar keine Frage, sondern die Voraussetzung. Und nur unter dieser Voraussetzung lässt sich die Frage, welche Moral als die richtige gelten soll, überhaupt erörtern.

     

  • ‘Urheberrrecht’ – ein zivilisatorischer Brennpunkt.

    Goethe und Schiller vor dem Weimarer Nationaltheater

    Es gibt Themen, die wie ein Brennglas die Elementarfragen einer Zivilisation in einem Punkt zusammen fassen. Der gegenwärtige Streit um das Urherberrecht alias das geistige Eigentum ist ein solches.

    Akut wurde es, als die Betreiber der werbefinanzierten Internet-Tauschbörse The Pirate Bay von einem schwedischen Gericht zu Haftstrafen und einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt wurden: Sie hatten Millionen Nutzern geholfen, urheberrechtlich geschütztes Material gratis aus dem Internet herunterzuladen; ohne freilich am Tauschgeschäft selber etwas zu verdienen. Der jüngste Erfolg der schwedischen Piratenpartei geht darauf zurück; bei der Europawahl Anfang des Monats erhielt sie 7,1% der Stimmen und entsendet einen Abgeordneten nach Straßburg.

    Vor allem junge Männer haben die Piratenpartei gewählt. Ihr ältester Aktivist aber dürfte der 73-jährige Schriftsteller Lars Gustafsson sein. In einem Wahlaufruf verglich er die heutige Lage mit dem Kampf um die Druckfreiheit vor der Französischen Revolution. Damals hätten sich die neuen Ideen nur dank der neuen Technologie durchsetzen können. Zensur und Razzien hätten diese nicht gestoppt, sondern geradezu stimuliert. Für Schriftsteller, die etwas zu sagen hätten, sei die Zirkulation ihrer Ideen, selbst durch Raubkopien, wichtiger als das Urheberrecht. Dieses schütze einzig die Verfasser von trivialer Massenliteratur, die sich so «neue Herrensitze» zulegen könnten.

    Trivialliteratur

    Das ist wahr – dem Autor, der etwas zu sagen hat, ist mehr daran gelegen, ebendas zu tun, als am Geldverdienen. Genauso wahr ist aber auch, dass er, damit er es sagen kann, von irgendwas leben muss. Lebt er nicht von der Art und Weise, wie er es sagt – nämlich auf einem privat anzueignenden und folglich verkäuflichen Datenspeicher -, dann muss er von irgendwas anderm leben; und in der Zeit, die er dafür braucht, kann er nichts sagen – und nicht einmal überlegen, was er sagen soll. Es wird ihm auch, wenn’s ihm irgend ernst ist, mehr darauf ankommen, wie gut und wie hörbar er es sagen kann, als darauf, wie gut er dabei lebt. Aber dass er lebt, bleibt unabdingbar.

    Die Frage nach dem Urherberrecht in Zeitalter des Internet ist daher sachlich verknüpft mit der Frage nach dem Tausch- und dem Gebrauchswert der Arbeit.

    Da ergibt sich ein unerwarteter Zusammenhang mit der von Milton Friedmann, dem Schwarzen Mann des Neoliberalismus, in die Welt gesetzte Idee eines staatlich garantierten Grundeinkommens, gelegentlich auch als “Bürgergeld” apostrophiert. Zunächst stammte der Gedanke aus dem Wunsch nach einer Vereinfachung des Besteuzerungssystems, das, wenn es “gerecht” sein soll, je nach Höhe der Einkommen ungleich sein muss und tausend Ausnahmelagen berücksichtigen muss; dann aber unübersichtlich und überkompliziert ist und dabei einen gigantischen Verwaltungsaufwand verschlingt – was am Ende ungerecht ist gegen alle.

    Am ‘effektivsten’ ist ein einheitlicher Steuersatz für alle. Aber indem er die Geringverdiener, die gerade eben das Lebensnotwendige im Portmonnaie haben, ebenso belastet wie die Eigentümer des großen Kapitals, ist er von allen der ungerechteste. Daher die Idee, dasjenige, was für eines jeden Lebensunterhalt das Unabdingbare ist, überhaupt nicht zu besteuern – und alles, was darüber liegt, mit ein und demselben Satz. Und von den gewaltigen Summen, die durch diese Vereinfachung eingespart würden, könnte in den entwickelten Industriesländern laut Berechnung der Weisen dieser Grundbetrag einem jeden Bürger ohne Prüfung der ‘Bedürftgkeit’ vom Staat ausgezahlt werden – auch wenn er sie nicht durch den Austausch seiner Produkte oder den Verkauf seiner Arbeitskraft ‘verdient’ hat!

    arbeit

    Ihre ersten energischen Fürsprecher außerhalb der Gruppe der Steuerexperten hat diese Idee bei den Sozialpolitikern gefunden – die damit das leidige Thema der Sozialhilfen, Arbeitslosenunterstüzungen, deren Undurchsichtigkeit und ihren angeblich wuchernden Missbrauch gleich mit erledigen wollten.

    Dann meldeten sich die Zukunftsforscher zu Wort. Die galoppierende Digitalisierung und Kybernetisierung der Arbeitswelt macht die einfachen, lediglich ausführenden Tätigkeiten überflüssig – und macht alle die arbeitslos, die sonst nichts gelernt haben. Die Etablierung einer stabilen Gesellschaftsklasse – “ein Drittel”! – von gezwungenen Nichtstuern droht, die ihre freie Zeit mangels Geld nicht mal durch Konsum ausfüllen können. Ein Sprengsatz für die gute Gesellschaft…

    Dabei ist der Vorschlag am Innovativsten nicht am unteren, sondern am oberen kulturellen Rand der Mediengesellschaft! Der Fall Pirate Bay macht es deutlich, man muss nur genau hinschauen. All die ‘Kreativen’ (ein blöder Ausdruck, aber es fällt mir momentan kein besserer ein), denen es zuerst darauf ankommt, der Welt das mitzuteilen, was sie ihr zu sagen haben, und nicht darauf, in Luxus zu leben… all die könnten genau das tun, ohne sich um ihren Lebensunterhalt sorgen und dabei ihre fruchtbarste Zeit verplempern zu müssen. Wenn sie, wie man ihnen ja wünschen darf, dabei auf gute Resonanz stoßen und einen mondänen Erfolg erzielen, mögen sie ja auf diese oder jene Weise hinzuverdienen, soviel die Marktlage hergibt; und denselben einheitlichen Steuersatz zahlen wie alle andern.

    Bill & Tom Kaulitz; damals Devilish

    Der Taxifahrer mit Dr. Phil. ist eine gängige deutsche Witzfigur. Vielleicht nicht ganz so repräsentativ, wie die Comedians glauben machen; aber sicher finden sich unter den akademisch Gebildeten einige Zehn-, womöglich Hunderttausende, die des blöden Gelderwerbs willen ihre Lebenszeit mit Tätigkeiten überdauern, die weit unterhalb ihrer gefühlten Möglichkeiten liegen. Und wenn sich davon nur jeder Zehnte nicht überschätzt – dann ist das immer noch eine Riesenmasse von Talent, das für den Fortgang der Kultur vergeudet ist!

    Und dass zu Viele dann ‘nix arbeiten’, sondern nur ihren Phantasien nachjagen, braucht eine Gesellschaft, “in der Arbeit künftig Mangelware sein wird”, nicht zu fürchten; denn solange sie eben das tun, kommen sie wenigstens nicht auf dumme Gedanken…

    *

    Dass unter solchen Umständen von einer Klasse von Menschen, die ‘gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an Andre zu verkaufen, weil ihnen die Arbeitsmittel fehlen, um selber Waren zu produzieren’, nicht mehr die Rede sein kann, ist abschließend noch zu erwähnen. Nicht nur, weil keiner mehr ‘gezwungen ist’; sondern auch, weil das wichtigste Arbeitsinstrument der Zukunft, der PC, längst zum “garantierten Minimum” zählt und noch im ärmsten Haushalt nicht weniger selbstverständlich ist als das Tiwie.

    cyberspace

  • Jörg Tauss, Piratenpartei-MdB

    Jörg Tauss, Piratenpartei, MdB

    tagesschau.de, 20. 6. 09:

    Von der SPD zur Piratenpartei

    Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss hat seinen Austritt aus der SPD erklärt. Gleichzeitig kündigte er in einer Mitteilung an, Mitglied der Piratenpartei werden zu wollen, in der sich Internet-Aktivisten organisiert haben. Er habe den Antrag noch nicht ausgefüllt, das sei allerdings nur noch “eine Formsache”, sagte Tauss. In seiner Erklärung betonte der Bundestagsabgeordnete, er stimme zwar weiterhin mit vielen Punkten des SPD-Programms überein. Allerdings gebe es bei den Sozialdemokraten in der Innen-, Rechts- und Internetpolitik “eine schlimme Fehlentwicklung”.

    Auslöser für den Parteiaustritt sei die Zustimmung der SPD zu den Internet-Sperren zur Eindämmung von Kinderpornografie im Bundestag gewesen. Mit diesem Gesetz solle “eine staatliche Zensurinfrastruktur” errichtet werden.

    Erster Abgeordneter der Piratenpartei im Bundestag

    Trotz seines Parteiwechsels werde er sein Bundestagsmandat aber bis zum Ende der Legislaturperiode behalten, kündigte Tauss an. “Ich werde der erste Abgeordnete der Piratenpartei im Bundestag sein”, sagte er. Eine Kandidatur für die Partei bei der Bundestagswahl im September schloss Tauss jedoch aus.

    Die baden-württembergische SPD-Chefin Ute Vogt hatte Tauss zuvor aufgefordert, sein Mandat zurückzugeben. Dies sei die zwangsläufige Konsequenz aus seinem Austritt aus der Partei. Tauss sitzt seit 1994 im Bundetag, 2005 hatte er sein Mandat über die Landesliste in Baden-Württemberg erhalten.

    Ermittlungen wegen Kinderpornografie

    A. Paul Weber, Das Gerücht; 1953

    Im März war Tauss von seinen Ämtern als Fraktionssprecher für Bildung und Forschung sowie als Generalsekretär der baden-württembergischen SPD zurückgetreten, nachdem in seiner Wohnung kinderpornografisches Material gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Tauss wies den Verdacht zurück und erklärte, er sei auf das Material bei Recherchen gegen einen Kinderpornoring gestoßen.

    “Großer Schub für den Wahlkampf”

    Die Piratenpartei begrüßte den anstehenden Übertritt von Tauss. Dieser sei einer der erfahrensten Politiker auf den Feldern Bildung und Neue Medien, so Piratenpartei-Vize Jens Seipenbusch gegenüber tagesschau.de. Die Partei sei sich bewusst, dass gegen Tauss Ermittlungen liefen, doch gelte zunächst die Unschuldsvermutung. “Dies ist ja auch einer unserer Überzeugungen, für die wir kämpfen”, so Seipenbusch.

    Von dem Parteiwechsel Tauss’ verspreche er sich einen “großen Schub” für den Wahlkampf und einen besseren Draht in das Parlament, so Seipenbusch. Dies werde auf jeden Fall nützlich sein.

    Piratenflagge

     

  • Erster Pirat im Bundestag!

    Piratpartiet.svg

    Presseerklärung der Piratenpartei vom 20.6.2009
    Joerg_tauss_mdb, ex-spd, jetzt piratenparteiDer Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss hat heute in Berlin seinen Beitritt zur Piratenpartei Deutschland erklärt. Die Piratenpartei heißt mit ihm einen der erfahrensten Politiker des Landes im Bereich Bildung, Forschung und Neue Medien in ihren Reihen herzlich willkommen.
    .
    Dieser Schritt geschieht auf dem vorläufigen Höhepunkt einer langen Kette des Versagens der SPD auf dem Gebiet der Bürgerrechte im digitalen Zeitalter und macht einen dramatischen Verlust ihrer Glaubwürdigkeit nach innen und außen sichtbar.
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    Mit der Verabschiedung des Zugangserschwerungsgesetzes am vergangenen Donnerstag hat die große Koalition sehenden Auges ein Gesetz durchgepeitscht, dass von vielen Experten aus mehreren Gründen für verfassungswidrig gehalten wird und das nicht weniger als eine von einer Polizeibehörde alleinig kontrollierte Zensurinfrastruktur schaffen soll. Nur notdürftig wird dies vom vorgeblichen Ziel der Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen verdeckt.

    Piratenflagge

  • Der dritte Zustand der Künstler und Philosophen.

    schwerelos

    Das Bedürfnis zwingt uns zur Arbeit, mit deren Ertrag das Bedürfnis gestillt wird; das immer neue Erwachen des Bedürfnisses gewöhnt uns an die Arbeit. In den Pausen aber, in welchen die Bedürfnisse gestillt sind und gleichsam schlafen, überfällt uns die Langeweile. Um der Langeweile zu entgehen, arbeitet der Mensch entweder über das Maß seiner sonstigen Bedürfnis hinaus oder er erfindet das Spiel, das heißt die Arbeit, welche kein anderes Bedürfnis stillen soll als das nach Arbeit überhaupt. Wer des Spieles überdrüssig geworden ist und durch neue Bedürfnisse keinen Grund zur Arbeit hat, den überfällt mitunter das Verlangen nach einem dritten Zustand, welcher sich zum Spiel verhält wie das Schweben zum Tanzen, wie Tanzen zum Gehen – nach einer seligen ruhigen Bewegtheit: es ist die Vision der Künstler und Philosophen vom Glück.

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    Friedrich Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches N°611

  • Die Identischen.

    Tilman Riemenschneider; Ein Engel

    Ihr wollt nie mit euch unzufrieden werden, nie an euch leiden – und nennt dies euren moralischen Hang! Nun gut, ein andrer mag es eure Feigheit nennen. Aber eins ist gewiss: Ihr werdet niemals eine Reise um die Welt (die ihr selber seid) machen und in euch selber ein Zufall und eine Scholle auf der Scholle bleiben.

  • Apollinisch und Dionysisch.

    Apollo del Belvedere

    Schopenhauers Entgegensetzung von Willen und Vorstellung – wobei mit Wille keineswegs das Liberum arbitrium gemeint war, sondern der blinde, dumpfe Drang zur Selbsterfüllung – kommt bei Nietzsche wieder vor als der Gegensatz von Dionysischem und Apollinischem. Das Dionysische teilen die Menschen mit allen Lebenden. Das Apollinische ist unsere Eigen-Art.

    Das Dionysische ist das weibliche Prinzip, das Apollinische ist – wo es sich als solches bewährt – das männliche.

    Das eine ist unsere notwendige, das andere ist unsere hinreichende Bedingung.

    Michelangelo Merisi: Bacchus

    condron.us

  • Piraten im Europaparlament.

    Logo der internationalen Piratenpartei

    Bei den gestrigen Europawahlen hat die Piratenpartei, die zum erstenmal in Deutschland kandidierte, 229.117 Stimmen und 0,9% Prozent erhalten. Sie hat mit diesem Ergebnis Anspruch auf die staatliche Parteienfinanzierung gewonnen und will zur Bundestagswahl im September antreten. Das Ziel der Partei ist der freie Zugang zum Internet und die Abwehr von Kontrollen durch wirtschaftliche oder staatliche Mächte und die Verteidigung der individuellen Freheiten im digitalen Zeitalter.
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    aus: FAZ Net

    08. Juni 2009 In Schweden hat die Piratenpartei in der Europawahl 7,1 Prozent der Stimmen bekommen [und wurde damit viertstärkste Kraft]. Damit stellt sie künftig einen Abgeordneten im Europaparlament. Nach diesem Erfolg will die Piratenpartei nun auch in den nächsten Stockholmer Reichstag einziehen. Ein Sprecher sagte am Montag im Rundfunk, man betrachte die Europawahl „vor allem als Generalprobe für die nächsten Wahlen in Schweden“.

    Die Partei tritt für ein minimal reglementiertes Internet mit dem Recht auf kostenlose Downloads und gegen staatliche Kontrolle ein. Bei schwedischen Wählern unter 30 Jahren hatte die Piratenpartei mit 18 Prozent den höchsten Anteil aller Parteien. Zudem soll sie bereits 43.000 Mitglieder haben und – daran gemessen – die drittgrößte Partei Schwedens sein. 75 Prozent ihrer Wähler sind Männer, hieß es am Montag in Stockholm.

    Hydra

    Massiv an Popularität gewinnen konnte die im Jahr 2006 gegründete Partei im April nach der Verurteilung von vier Verantwortlichen der Internet-Tauschbörse Pirate Bay wegen Verletzung des Urheberrechts. Pirate Bay ermöglicht das Herunterladen von Filmen, Musik und Computersoftware.

    Pirate_Bay_logo.svg

    aus: Heise online, 23. 4. 09

    Ein schwedisches Gericht hat vier Verantwortliche von The Pirate Bay der Beihilfe zur schweren Urheberrechtsverletzung für schuldig befunden und zu einjährigen Haftstrafe sowie Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt. Der Schadensersatz in Höhe von 30 Millionen Schwedischen Kronen (2,75 Millionen Euro) soll verschiedenen Film- und Musikunternehmen zugutekommen.

    Nun gibt es schwere Vorwürfe gegen den Richter in dem Verfahren: Er ist nach Berichten des Nachrichtenprogramms von Sverige Radio Mitglied in einer Organisation zum Schutz des Urheberrechts, in dem auch Repräsentanten der Medienindustrie vertreten sind, die als Kläger an dem Verfahren beteiligt waren. Außerdem soll er in einer Vereinigung mitwirken, die sich aktiv für eine Verschärfung des Urheberrechts einsetzt.

    pirate

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